Abiturjahrgang 2012

Julia Anders, Karoline Baidinger, Azim Fabian Becker, Markus Boitmann, Marleen Borgmann, Veronika Borohovic, Gamze Boztürk, Timo Böß, Nadine Brand, Jonas Brörmann, Jooris Budke, Vitali Bugaev, Muhammed Buran, Vera Burchert, Jonas Burde, Luca David Calluso, Deniz Camdali-Yay, Helena Ainara Carranza-Kluhs, Rebekka Degin, Samira El Filali, Eva Maresa Emons, Geraldine Eußner, Leo Fefer, Natalia Fitler, Artur Fried, Camille Noémi Geißler, Nicolas Gies, Isabel Giese, Rosa Gordok, Lena Gromes, Philipp Halfar, Sarah Heinrich, Julianna Herrmann, Franziska Hillebrand, Maximilian Hobuß, Sabrina Holtkemper, Sara Hoppe, Daniel Hüfmeyer, Sophia Illi, Siawash Jakfar, Orhan Karabacak, Michael Kaufmann, Isabel Kinkel, Hadrian Kopiec, Stephanie Laymann, Eugen Lyutikov, Bastian Marquardt, Robin Martin, Darya Meinecke, Felix Möllering, Felix Müller, Rebecca Nacke, Moritz Niessner, Hendrik Onnenga, Marco Pavlov, Julian Pawlak, Sebastian Pfannkuch, Helena Prier, Leonard Pyhel, Viola Reichert, Viktor Rempe, Indrojit Roy-Choudhury, Leon Schmidt, Sergej Schumann, Till Schwerdtfeger, Timur Sensoy, Rebecca Jessica Sierp, Meike Stöckel, Katrin Tscherner, Scherina Valjanov, Esther Verwiebe, Jérôme Wedler, Eugen Wolf, Lisa-Marie Zielke

Foto: EMA
Die Reden:

Begrüßung durch den Schulleiter
Für die Abiturientia: Nicolas Gies
Für die Eltern: Henning Schussmüller
Für die Ehemaligen: Prof. Eberhard Tiemann (Abitur 1962)
Worte von Dr. Klaus Kempkens (Abitur 1962)
Für die Schule: Wolfgang Jonas
Für den Ehemaligen- und Förderverein: Hans-Jürgen Flesner

 

 

Begrüßung: Der Schulleiter OStD Hartmut Bruns

Liebe Jubiläumsabiturienten,
liebe Kolleginnen und Kollegen,
liebe Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter,
liebe Eltern,
liebe Angehörige und Freunde unserer Abiturientinnen und Abiturienten
und besonders,
liebe Abiturientia 2012!

Foti: EMA

Schön, dass ein so großes Auditorium zu diesem festlichen Anlass zusammen gekommen ist.
Als Schulleiter des EMA begrüße ich Sie alle recht herzlich zur Entlassungsfeier unserer Abiturientinnen und Abiturienten in unserem Schulforum.
Heute dürfen wir uns freuen, dass 74 Schülerinnen und Schüler unseres Gymnasiums das diesjährige Abitur bestanden haben, 3 weitere junge Menschen verlassen unsere Schule mit dem schulischen Teil der Fachhochschlreife.

Liebe Jubiläumsabiturienten, Sie, die Sie vor 25, 50 oder gar 60 Jahren am EMA – bis 1957 noch Staatliche Oberschule für Jungen – das Abitur abgelegt haben, begrüße ich besonders herzlich.

Sie sind zum Teil von weither angereist, um an diesem Tag, der jedes Jahr aufs Neue für die Abiturientinnen und Abiturienten Abschluss, Besinnung und Aufbruch gleichermaßen beschreibt, Verbundenheit mit Ihrer alten Schule zu dokumentieren, einer Schule, die sich insbesondere seit Beginn des neuen Jahrtausends stark verändert hat.

Ist den Abiturientinnen und Abiturienten am heutigen Tage vor allem nach Aufbruch zumute, so dokumentieren Sie, liebe Ehemalige, dass einen die alte Schule ein Leben lang nie ganz loslässt. Das EMA, inzwischen Europaschule und Ganztagsgymnasium, sportfreundliche Schule, Schule mit differenzierter Begabtenförderung, Schule ohne Rassismus, Umweltschule in Europa u.v.m. hat Sie, ganz gleich ob Ihre Erinnerungen an die alte Penne eher positiv oder eher negativ sind, für Ihr Leben geprägt und ist somit ein Teil Ihrer Identität.

Ich bin sicher, dass Sie bei Ihren Treffen gestern, heute und morgen noch viele schulische Erinnerungen austauschen werden bzw. schon ausgetauscht haben, aber diese Erinnerungen sind nur das nach Außen Mitteilbare. Nur schwer miteilbar ist das, was man mit dem einfachen Wort „Bildung“ bezeichnet – die Entfaltung des Geistes, die Schulung des Verstandes und die Fähigkeit des kritischen Denkens.
Liebe Jubiläumsabiturienten, ich bin davon überzeugt, dass jeder Einzelne von Ihnen diesen Schatz in sich trägt, durch Ihn sind Sie zu Persönlichkeiten gereift, und dass auch unsere heutigen Abiturientinnen und Abiturienten zu Persönlichkeiten heranwachsen mögen, das wünschen wir uns sicherlich alle von ganzem Herzen.

Ich freue mich, dass Prof. Dr. Tiemann heute für die Jubilare sprechen wird.

Liebe Eltern,
mit Ihnen hat uns Lehrerinnen und Lehrer des Ernst-Moritz-Arndt-Gymnasiums ein langer Weg verbunden.
Wenn Ihre Kinder den Weg von der Realschule zu uns gefunden haben, haben Sie mindestens 3, wenn Ihre Kinder am EMA eingeschult wurden, haben Sie mindestens 8 Jahre mit Sorge, manchmal mit Freude und Stolz auf die Entwicklung Ihrer Kinder geschaut.

Des Öfteren haben Sie versucht, diese Entwicklung zu beeinflussen. In diesem Prozess wirkte die Schule für Sie manchmal störend, manchmal war sie für Sie eine Hilfe. Meist hatten wir identische Ziele, zuweilen differierten unsere Ansichten. Sie haben Ihren Kindern geholfen, Schule als sinnvolle, für die Zukunft zentrale Lebensphase zu erleben und haben die Lehrerinnen und Lehrer unseres Gymnasiums ermutigt, sich als Partner im gemeinsamen Erziehungsprozess wahrzunehmen.

Liebe Eltern, ich möchte Ihnen heute von Herzen für die Liebe, Geduld und fürsorgliche Begleitung danken, die Sie Ihren Kindern auf dem Weg zum Abitur haben zuteil werden lassen.

Auch Ihnen, liebe Kolleginnen und Kollegen, gilt auch in diesem Jahr wieder mein Dank.
Sie haben nicht nur während der Abiturphase in den letzten Monaten, sondern viele von Ihnen schon seit der Einschulung dieses Abiturjahrgangs im Jahre 2004, Ihr Wissen, Ihre pädagogische Kompetenz und viel Engagement und Energie eingesetzt, damit die Schülerinnen und Schüler, die wir heute verabschieden, ihr Abitur erreichen konnten. Unsere gemeinsame Verantwortung bestand darin, Bedingungen zu schaffen, unter denen Wertschätzung der Bildung, aber auch die Fähigkeit zu demokratischer Teilhabe an gesellschaftlichen Prozessen möglich wurde. Ich glaube, dass wir das gemeinsam geschafft haben, auch wenn viele der vor uns sitzenden jungen Menschen dieses erst im Laufe der nächsten Jahre begreifen werden.

Meine besondere Anerkennung möchte ich heute dem Abitur- und Jahrgangskoordinator StD Wolfgang Jonas zu Teil werden lassen. Herr Jonas hat nicht nur unseren diesjährigen Abiturientinnen und Abiturienten als Jahrgangskoordinator während der gesamten Oberstufenzeit mit seinem Wissen und mit großer Empathie zur Seite gestanden hat, sondern er hat fast 20 Abiturjahrgänge mit großer Kompetenz zum Abitur begleitet.

Mein Dank gilt heute aber auch denjenigen, die oft im Hintergrund stehend, die Voraussetzungen für das Gelingen unserer Arbeit ermöglichen:
unseren Sekretärinnen Frau Kowalinski, Frau Mock und Frau Riepenhoff, den Hausmeistern Herrn Kerrinnes und Herrn Bäumler und unserem Schulassistenten Herrn Steins-Tiemann. Ohne sie würde vieles nicht so funktionieren wie es am EMA funktioniert.

Last but not least, zu Ihnen, liebe Abiturientinnen und Abiturienten.
Wenn Sie heute die Zeugnisse der Allgemeinen Hochschulreife im Rahmen dieser Feierstunde überreicht bekommen, so ist das für Sie zu Recht ein Anlass zur Freude und des Stolzes über das Erreichte.

So unterschiedlich Ihre Gedanken und Gefühle sein werden, ich bin sicher, ein Grundgefühl ist allen gemeinsam. Mit einem Gefühl der Befreiung, aber auch der bestätigten Leistungen verlassen Sie heute das Ernst-Moritz-Arndt-Gymnasium.
Sie verlassen jetzt unsere Schule, um nun Ihre ganz persönliche Zukunft zu planen, und Sie werden erst in einigen Jahren merken, wie sehr Sie das EMA für Ihr Leben geprägt hat.

Im Sinne Kants hat die gymnasiale Bildung, die Sie an unserer Schule genossen haben, Sie auf die Fähigkeit vorbereitet befreit zu leben, d.h. selbstständig Entscheidungen zu treffen.

Vielleicht glauben Sie, dass eine gute Abinote ein automatischer Türöffner ist, ein nicht so guter Durchschnitt eher einen Klotz am Bein darstellt. Hier kann und muss ich Sie enttäuschen bzw, kann ich Sie ermutigen: dem ist nur in den seltensten Fällen so. Es geht hier um mehr: Entscheidend ist Ihre Lebenseinstellung, Ihre Motivation, Ihr Engagement und Ihre Zuversicht, wenn Sie sich Glück, persönliche Zufriedenheit und Erfolg für die Zukunft erhoffen.

Vertrauen Sie auf Ihre Fähigkeiten. Setzen Sie sich Ihre Ziele. Pflegen Sie Ihre ganz persönlichen Visionen. Lassen Sie sich nicht von Ihrem ganz persönlichen Weg abbringen, nur weil jemand meint, dass woanders doch mehr Geld zu verdienen sei. Wichtig ist, dass Ihr Ziel auch zu der Art passt, wie Sie den Weg dorthin auch bewältigen wollen und können.
Glücklich sollen Sie werden und reich im Geiste, nicht unglücklich, aber reich in Portmonee.

Wenn Sie sich Ihre Ziele auch selbst setzen sollen, so heißt das natürlich nicht, dass Sie sich nicht von vertrauten Personen auch guten Rat einholen sollten.

Das ist der erste Rat, den ich Ihnen mit auf Ihren Lebensweg geben möchte.
Erlauben Sie mir noch einen weiteren Rat, liebe Abiturientia:

Seien Sie und bleiben Sie in allen Lebenslagen optimistisch, denn ein Optimist ist ein Mensch, der alles halb so schlimm und doppelt so gut findet, während ein Pessimist jemanden verkörpert, der sich über schlechte Erfahrungen freut, weil sie ihm Recht geben.

Schließen möchte ich mit einem Zitat von Meister Eckard, der zur Zeit der Wende des 13. in das 14 Jahrhundert gelebt hat. Er sagte schon damalsFolgendes:

Die wichtigste Stunde ist immer die Gegenwart.
Der wichtigste Mensch ist immer der, der dir gerade gegenübersteht.
Das wichtigste Werk ist immer die Liebe.

Für Ihre persönliche Zukunft wünsche ich Ihnen als Ihr Schulleiter von ganzem Herzen Gesundheit und persönliche Zufriedenheit, aber natürlich auch Erfolg im Studium und im Beruf und über allem stehe Gottes Segen.

Für die Ehemaligen: Prof. Dr. Eberhard Tiemann (Abiturjahrgang 1962)
Foto: EMA

Herr Prof. Tiemann Rede hat seine Rede frei gehalten. Eine Mitschrift liegt nicht vor.

An den Abiturjahrgang 2012 und an das EMA
Foto: EMA

E-Mail von Dr. Klaus Kempkens (Abiturjahrgang 1962)

Liebe Abiturientinnen und Abiturienten 2012, sehr geehrte Mitglieder des EMA,

… In den 50 Jahren seit unserem Abitur hat sich die Welt gewaltig verändert, und wir werden allmählich zu Augenzeugen für das, was gelegentlich, wenn überhaupt, in den Geschichtsbüchern steht. Die Angst vor einem nuklearen Krieg war tagtäglich präsent – in unsere Abiturzeit fiel die Kubakrise, bei der die Welt, wie man heute weiß, am Rande einer kompletten Selbstvernichtung stand – ein Irrtum der Einsatzbefehlshaber hätte die Katastrophe auslösen können. Wenige Tage vor dem Berliner Mauerbau 1961 waren wir noch mit einer Klassenfahrt in Berlin. Der arabische Raum war eine malerische Insel des Friedens, und es gab auf der Erdkugel noch „weiße Flecken“, abgelegene Gebiete z.B. am Amazonas oder in Afrika, die noch nie Kontakt mit der „zivilisierten Welt“ gehabt hatten. Nur 2,3 Milliarden Menschen gab es, statt 6 Milliarden, Stenografie und Schreibmaschine statt Facebook, Google, iPhone, iPad, nicht skypen, nur schreiben – unvorstellbar!
1987 war ich zum 25jährigen Abitur mal in Osnabrück und hatte für unseren Jahrgang auch bei der Entlassungsfeier ein paar Worte gesprochen. In meinen 37 Tätigkeitsjahren auch im Schulmanagement habe ich insgesamt mehr als 3.000 AbiturschülerInnen verabschiedet, finde es aber immer noch spannend, wenn ein Schülerjahrgang die Schule verlässt und damit einen Lebensabschnitt abschließt, aber gleichzeitig auch einen neuen beginnt.
„Schule ist, was übrig bleibt, wenn ein Abiturjahrgang sie verlässt.“

Mit allen guten Wünschen für Sie alle!

Dr. Klaus Kempkens
Für die Ehemaligen des Abiturjahrgangs 1952

Die Rede liegt noch nicht vor.

Für die Eltern: Henning Schussmüller
Foto: EMA

Liebe Abiturientinnen, liebe Abiturienten, liebe Lehrerinnen und Lehrer, Herr Bruns, meine Damen und Herren,

Meinen herzlichen Glückwunsch an Euch, Abiturientinnen und Abiturienten für Euren erfolgreichen Abschuss des Abiturs. Mit Recht könnt Ihr, aber auch Eure Eltern stolz auf Eure erbrachte Leistung sein.

Vergleichen wir doch mal die letzten 8 Jahre mit dem, was Euch nun in Euer neu gewonnenen Freiheit bevorsteht, dann verlasst Ihr gerade eine gut ausgebaute Autobahn und steht vor einem riesigen Kreisverkehr mit vielen Abfahrten. Egal, welche Abfahrt Ihr nehmt, alle sind ziemlich unfertig.

Die Erfahrung hat bei einigen unter Euch schon begonnen, bei anderen unter Euch beginnt die Erfahrung so ungefähr heute oder morgen, wenn Ihr Euch auf einen Studienplatz bewerben wollt. Das jetzige Studienauswahlverfahren ist Anwender unfreundlich, kann kaum ineffizienter, unproduktiver sein als es ist, obwohl schon mehr als 15 Millionen Euro in die EDV Entwicklung investiert wurden. Und das, obwohl schon eine fertige Lösung auf dem Markt vorhanden war, welches aber unseren Politikern in den Landesregierungen politisch nicht opportun war.

Dann erhaltet Ihr eine Studienzusage und sitzt in übervollen Hörsälen, weil – wie an der Uni Köln –zwar hohe Summen in neue Hörsäle investiert wurde, aber die alten, renovierungsbedürftigen wegen

Sicherheitsbedenken geschlossen bleiben müssen. So fehlen die nötigen zusätzlichen Studienplätze trotz Milliardeninvestitionen. Ein Schildbürgerstreich? Ja, vielleicht, aber es ist nicht der einzige.

Schauen wir uns weitere Schildbürgerstreiche – wenn auch mit etwas Ironie gespickt – an. Eurem erfolgreichen Bachelor Studiengang soll der Masterstudiengang folgen, doch auch hier trefft ihr wegen der Fehlplanung auf den Mangel an genügenden Plätzen.

Und so geht es mit den Unfertigkeiten vor Euch weiter:

Euer Englisch muss perfektioniert werden, am besten erlernt Ihr noch eine weitere Fremdsprache neben dem Studium.

Dann die Aufforderung, möglichst viele und gute Praktika nachzuweisen. Euer Wissen ist geschätzt, und gerne angenommen, doch wie steht es mit einer finanziellen Kompensation: nein, Ihr sollt schon erst einmal eine Vorleistung für Eure zukünftige Karrieren erbringen.

Nach Eurem erfolgreichen Abschluss des Masterstudiums sollt Ihr noch ein berufsbegleitendes MBA oder die Promotion machen, die Stufe 8 der zukünftigen europäischen Skala der Bildungsabschlüsse. Dann meldet sich endlich auch die Rentenversicherung; ach ja, Kinder müssen her, damit die Rentenversicherung auch zukünftig -bitte schön- finanziert bleibt. Prima, es gibt ja die rechtliche verbindlichen Krippenplätze, wo mein Kind unterkommen kann. Moment einmal: gibt es sie wirklich – und gibt es sie an den richtigen Orten?

Es bleibt für Euch bestimmt noch spannend.

In 2005 hielt der Gründer von Apples, Steve Jobs eine Rede vor Studenten der Stanford University. Dort ermunterte er die Studenten, darauf zu vertrauen, dass die Mosaiksteinchen ihres Lebens in ihrer Zukunft ein Gesamtbild ergeben wird. So war seine persönliche Erfahrung. “Lebt nicht das Leben der anderen”, rief er ihnen zu, sondern “bleibt hungrig und tollkühn”.

“Those people who are crazy enough to think they can change the world are the ones who actually do.”

Die Leute, die verrückt genug sind zu glauben, sie können die Welt verändern, sind die, die es wirklich auch machen.

Seine Lebenserfahrung möchte ich aufgreifen und auf unser –Eurer- Umfeld für einen Moment mal extrapolieren. Ein Faktum wird Euch in dabei behilflich sein. Es ist die demographische Entwicklung, denn mehr als 30 % der heutigen arbeitenden Fachkräfte sind über 50 Jahre, Tendenz steigend. Allein diese Entwicklung wird bestimmt Euch helfen, in ein paar Jahren interessante und verantwortungsvolle Funktionen bekleiden zu können, egal ob in der Wirtschaft, Industrie, Schule und Universität, Medizin oder in sozialen Berufen.

Doch stellt die demographische Entwicklung aber auch eine neue Herausforderung an Euch wie – meine Damen und Herrn- aber auch gleichzeitig an uns ältere Generationsvertreter.

Denn die älteren Generationsvertreter in der demographischen Kurve stellen die grosse Mehrheit, die, die Euch die Unfertigkeiten hinterlässt, weil in den letzten Jahrzehnten andere Themen eine scheinbar höhere Bedeutung hatten. So politisch die Wiedervereinigung, der Ausbau der Europäischen Union, volkswirtschaftlich der Ausbau des Internets und, der liberale Kapitalismus oder auch Turbokapitalismus und seine folgenden Finanz- und Bankenkrisen. Heute arbeitet man an deren kostspielige Überwindung.

Oder wie der langjährige Moderator der Tagesthemen, Ulrich Wickert sein Buch tituliert: “Redet Geld, schweigt die Welt”.

Das Internet hat sicherlich zu erheblichen Effizienzverbesserung in unserem Alltag geführt. Auch der Schulalltag am EMA hat von dieser Entwicklung enorm profitiert und der Schulalltag veränderte sich auch dank des Internets zum Positiven. Die Kostenoptimierungen durch das Internet in der Industrie sind mittlerweile angekommen und können als ausgeschöpft angesehen werden.

Neben dem Financial Capital ist endlich die Bedeutung des Human Capitals auch in der Volkswirtschaft angekommen. Human Capital: Das seid Ihr, das sind wir, und hier gilt es, über die nächsten Jahre unsere Gesellschaft neu zu orientieren und strukturieren.

Das Weltwirtschaftsforum in Davos selbst hinterfragt die Ideologie des jetzigen Kapitalismus und erinnert an die Ideologie einer freien, aber auch sozial verpflichteten und fair regulierten Markwirtschaft. Die dortige Diskussion stellt fest, dass das Talent zum entscheidenden Wettbewerbsfaktor wird und daher der Kapitalismus durch den “Talentismus” ersetzt wird.

Wo liegt nun die Herausforderung an Euch? Verantwortung übernehmen und Verantwortung tragen geht nur dann, wenn Ihr als zahlenmässige Minderheit auch die Zuständigkeit von der Mehrheit – das sind wir, die Älteren- übertragen bekommen werdet. Es kann nicht angehen, dass Ihr die Verantwortung für Eure Zukunftsgestaltung übertragen bekommt, aber die Mehrheit in der Demographie, die Älteren, nicht die entsprechende Zuständigkeit abgibt.

Hier liegt der Zielkonflikt der kommenden Jahre, der unser heutiges Demokratieverständnis in Frage stellt. Daher ist dies als Vorschlag für einen neuen Generationsvertrag zu verstehen. Verantwortung betrifft eine Handlung, deren Wirkung sich erst in der Zukunft ganz entfalten wird und deshalb die Frage beinhaltet: “Was können die Folgen meines Handelns sein?” Das bedeutet aber, dass der Handelnde die Zukunft einschätzen kann.

Der Handelnde muss das Denkbare in Betracht ziehen und alles Mögliche unternehmen, um negative olgen zu verhindern und das Positive zu ermöglichen.

Daher muss die Zuständigkeit einhergehen mit der Verantwortung und der Möglichkeit Eurer Kontrolle Eures Handelns, und das obliegt der selbigen Person.

Ja, beratschlagt Euch mit Euren Eltern, Euren Dozenten und Professoren, fragt nach und lernt von deren Erfahrungen, berücksichtigt diese, aber bildet Eure Meinung zu Eurer Lebensgestaltung selbst. Dass Ihr Verantwortung tragen sollt, ist klar, dann aber bitte – meine Empfehlung- auch mit der dazugehörigen Zuständigkeit.

Human Capital:

Hier möchte ich den Zukunftsforscher Erik Händeler aus einem Interview mit der „Süddeutschen Zeitung“ am 31.12.2011 zitieren:

“Die Chefs der alten Schule haben ausgedient….Heute sind die Dinge komplexer geworden. Führungskräfte müssen den Informationsfluss gestalten. Dies verlangt eine andere Führung.. Das heißt: es geht nicht mehr um fachliche Anweisungen, sondern um das Moderieren von Fachkenntnissen. Kooperationen werden deutlich wichtiger. Doch wir haben heute noch die Chefs der alten Schule und den statusorientierten Mittelbau. Auch sind die Facharbeiter und Sachbearbeiter noch nicht bereit, Verantwortung für ihr Fachgebiet zu übernehmen. Das hieße nämlich, dass sie dem Chef mal fachlich widersprechen. Doch so weit sind wir noch nicht. Da kommt dann das Sozialverhalten ins Spiel.”

Diese These gilt nicht nur für Deutschland. Sie gilt –unter Berücksichtigung der verschiedenen Mentalitäten- auch für Tigerstaaten wie Singapur, oder auch für Japan, USA, Russland und leider insbesondere für die südeuropäischen Länder wie Italien, Spanien.

Vor 20 Jahren schon gründeten Studenten an der Uni Sankt Gallen “oikos International”, um weltweit Gedanken über nachhaltiges Wirtschaften auszutauschen.

Die studentische Initiative PEUK (philosophy and economics at Univerity Köln) veranstaltet kritische Vorlesungen wie zu Themen wie “Die Ethik des Profits”.

Damit auch Ihr diese Veränderungen erfolgreich und auch mit hoher Motivation erreicht, egal in welchem beruflichen Umfeld, benötigt es gewisse Kenntnisse:

1. Mentale Flexibilität: Projekte erfolgreich in multikulturellen Arbeitsteams bearbeiten, dabei die multinationalen Kollegen positiv überzeugen und Eure Lösungsansätze mit denen vergleichen und adaptieren. Menschen werden ein Leben lang lernen müssen, um im Job fit zu bleiben. Wir werden mehr selbständige Wissensarbeiter bekommen. Damit lösen sich die heutigen Strukturen in den Unternehmen auf. Sie ersetzen Kooperationsbereitschaft und die Fähigkeit, sich auf andere einzulassen. Sozialkompetenz auf allen Ebenen wird so wichtig wie nie zuvor.

2. Geographische Flexibilität: Mobilität im beruflichen Alltag, globale Arbeitsteams mit einem globalen Netzwerk in der Arbeitswelt mit Deutschen, Türken, Engländern, Indern, Chinesen, Brasilianern, Russen, Amerikaner. Globale Videokonferenzen auch zu Nachtzeiten gehören auch dazu, damit auch – zeitweise – flexible Arbeitszeiten. Wenn Videokonferenzen abgehalten werden mit Amerika, Deutschland und Japan, bestimmen die Zeitzonen die Arbeitszeiten.

3. Soziale Flexibilität: Der Erfolg Eurer Unternehmungen wird davon abhängen, wie Mitarbeiter mit Wissen umgehen. Und der Umgang mit Wissen ist immer auch Umgang mit anderen Menschen, die man unterschiedlich gut kennt und unterschiedlich gerne mag.

Wissen zusammenführen ist eine soziale Fähigkeit.

Dabei dürft Ihr auch gerne mal – im Sinne von Steve Jobs – ein Mosaiksteinchen eines anderen nochmal aufnehmen und durch ein anderes mit Eurer Lebenserfahrung ersetzen. Dann habt Ihr bewiesen, dass Ihr auch die Zuständigkeit zur Zukunftsgestaltung besitzt.

Liebe Abiturientinnen, liebe Abiturienten: vor Euch liegt ein großes Feld der Unfertigkeiten, ein großes Gestaltungsfeld, auf medizinisch sozialen, pädagogisch psychologischen, ingenieurwissenschaftlich technischen, ökologischen, logistischen , betriebswirtschaftlichen, gestalterischen und politischen Gebieten. Eure Aufgabe wird es in den kommenden Jahrzehnten sein, diesen Mangel zu reduzieren.

Ihr könnt Euch empören über die Unfertigkeiten, Ihr könnt sie als Skandale in einem reichen Land wie Deutschland beschimpfen. Bestimmt habt Ihr da Recht. Oder aber auch als Chance zur aktiven Gestaltung ansehen.

Was ist die Alternative? Gibt es sie? Ja, es gibt sie: Ihr, Abiturientinnen und Abiturienten wartet von heute ab so etwa30 Jahre, denn dann hat sich die demographische Kurve in natürlicher Weise verjüngt. In 30 Jahren steht dann eine oder einer von Euch hier und halt eine ähnliche Rede: dies kann man dann “Reformstau”nennen.

Max Planck, der deutsche Physiker drückt dies pointiert , Euch zur Seite stehend so aus: Ich zitiere: “Eine wissenschaftliche Erkenntnis setzt sich nicht deshalb durch, weil die Vertreter des alten Systems überzeugt wurden, sondern weil sie aussterben und eine neue Generation an ihre Stelle tritt, die mit den neuen Gedanken aufgewachsen sind. “

Wir- die Eltern- haben Euch so wie wir es konnten- begleitet, erzogen, beraten, um Euch fit für die zunehmende Unabhängigkeit und Freiheit werden zu lassen. Die Lehrer haben Euch nicht nur eine große Portion Wissen vermittelt, doch Euch auch methodisches Lernen beigebracht. Dies wird in den kommenden Jahren an den Hochschulen und Universitäten noch vertieft. Viele Möglichkeiten zum Erlernen und Ausüben der Sozialkompetenz sind angeboten worden und Ihr habt sie auch meist genutzt. Dafür sage ich Ihnen, den Lehrern und der Schulleitung unseren Dank als Vertreter der Eltern.

Ganz besonderen Dank richte ich an Herrn Studiendirektor Jonas, der jahrelang die Schüler in den Oberstufen beraten und begleitet hat. Sie haben sich dank Ihrer Authentiziät verbunden mit einem gewissen Witz dabei immer wieder viel Respekt verschaffen können. Ich möchte hier nur das Management Information Game und die vielen Angebote zur Studien-und Berufsberatung nennen.

Ihnen wünsche ich von Herzen für Ihre weitere Zukunft alles Gute.

Ihr, Abiturientinnen und Abiturienten habt diese erste grosse Herausforderung gemeistert. Feiert Euer Abitur in den kommenden Tagen und Wochen und dann greift Ihr wieder an. Für das gute Gelingen Eurer Zukunftsgestaltung wünsche ich Euch viel Glück und auch eine von Zeit zu Zeit unterstützende und zupackende Hand.

Durchaus im doppelten Sinn gemeint, in Anlehnung an den Song der Rockgruppe Queen, ermuntere ich Euch: “The Show must go on”.

Vielen Dank.

 

Für die Schule: Wolfgang Jonas

Verehrte Zuhörende,

Foto: EMA

ein Schulabschluss, das Abitur, das ist etwas Großes, liebe Abiturientinnen, liebe Abiturienten. So ein Abschluss ist ein feierlicher Schritt ins Leben, mit einer eigenen Symbolik. So dachte ich, so denkt auch heute noch jeder Fünftklässler, der zum ersten Mal einem Abiturienten, einer Abiturientin gegenübersteht – und die Sichtweise von Kindern ist bekanntlich meistens richtig.

Gemeinhin wird man dieser Spezies der Abiturienten erstmals im Alter von etwa 10 Jahren gewahr. So war ich gerade neu in die fünfte Klasse meines Gymnasiums in Hannover eingeschult worden. Neben vielen neuen Fächern – Fremdsprachen, Naturwissenschaften, Kunstunterricht statt Malen, Musikunterricht statt Singen – wird man in diesem Alter plötzlich auch mit Abiturienten konfrontiert. Und weil mein Gymnasium als sehr fortschrittlich galt, das bereits bei seiner Gründung vor etwa 60 Jahren koedukativ geführt wurde, waren auch Abiturientinnen dabei, die zusammen mit ihren Mitschülern gesetzten Schrittes in der Pause ihre Runden um den Schulhof drehten und denen wir Fünftklässler ehrfürchtige, bewundernde Blicke hinterher warfen: Schau mal, wie groß die sind. Guck mal, die schreiben in diesem Schuljahr schon Abitur. Wie klug müssen die nur sein? Und wie gebildet? Sie gehen bestimmt schon in Diskotheken und haben sicher ganz viele Freunde.

Als wichtigste Frage stand dann stets im Hintergrund, ob wir, die 10jährigen Traumtänzer, denn auch einmal so cool werden – , aber das Wort gab es damals noch nicht, und deshalb, aber nicht deshalb allein, blieb die Frage unausgesprochen. Die Frage beantwortete sich in meinem Schülerleben auch insofern negativ, weil eine der Abiturientinnen von den Olympischen Spielen in Rom mit zwei Silbermedaillen zurückkehrte und von den Fünftklässlern jubelnd und Fähnchen schwenkend empfangen wurde – Nein, so erfolgreich, so cool konnten wir gar nicht werden.

Als ich dann selbst Abiturient war, hatten sich die Zeiten gewandelt; es ging alles ganz nüchtern zu; von einem feierlichen Schritt ins Leben spürte ich wenig.

Man könne sich im Sekretariat das Abiturzeugnis abholen, stand irgendwann auf einem Zettel am Schwarzen Brett.

Kein Abi-Ball, keine Entlassfeier. Wir waren unserer Schule nicht gram und unsere Schule war uns nicht gram, aber so ging das damals in den Jahren nach 1968 zu … zumindest in der Landeshauptstadt Hannover. Eine Mottowoche und ein Abi-Gag waren noch gar nicht erfunden.

Entschädigung für all diese Entbehrungen, die man natürlich gar nicht als solche empfand, lieferten den Abiturienten die tage-, teils wochenlangen Straßenbahnblockaden und Straßenschlachten mit den Wasserwerfern der Polizei, als die städtischen Verkehrsbetriebe in Hannover den Fahrpreis für eine Sammelkarte von 50 auf 66 Pfennige erhöhen wollte – Aktion „Roter Punkt“, so nannte sich das damals.

Jede Generation entwickelt ihre eigenen Rituale und macht vielleicht auch ihre eigenen Fehler.

Sie, liebe Abiturienten, liebe Abiturientinnen, verabschieden sich von Ihrer Schule als Freunde. „ABI-OS Amigos“, so lautet Ihr Motto.

Obwohl die Verwendung des Wortes „Amigo“ nicht frei von Missverständlichkeiten ist – gerade nach der Affäre um unseren zurückgetretenen Bundespräsidenten, noch dazu im Zusammenhang mit dem Ortsnamen Osnabrück -, werte ich diese Form des Abschieds als großes Kompliment für unsere Schule: Freunde verlassen uns, vergessen uns nicht und haben uns in guter Erinnerung, wünschen uns einen guten weiteren Weg.

Ich wünsche Ihnen, dass jeder Abschluss, jeder Abschied, jedes Kapitel Ihres Lebens so freudig zu Ende gehen wird, wie dieser an diesem Nachmittag.

Ich füge gleich hinzu: Es wird nicht immer so sein.
Und bei aller Freundschaft: Auch im Rückblick auf Ihre Schulzeit werden einige feststellen:
„An eine „ach-so-erwachsen-machende“ Schulzeit und an ein Schlaraffenland der Bildungserfahrungen erinnere ich mich gar nicht, höchstens an ein Terrain, durch welches ein Wirbelwind gefegt ist, der für Chaos und Zerstörung gesorgt hat, so dass ich mir am liebsten die Bettdecke über die Ohren gezogen hätte.“

Mancher wird das wohl auch getan haben, wie man leider aus der viel zu großen Zahl der unterwegs Verlorengegangenen bemerkt.

Viele haben Druck und Unlust erlebt, als sie in manchen Fächern an ihre Grenzen stießen, Sie haben jedoch gelernt, sich über Erfolge zu freuen und Misserfolge auch wegzustecken. Sie haben gemerkt, dass Sie Grenzen auch überschreiten können.

Sie haben vermeintlich viel zu schlechte Zensuren erhalten und dabei vielleicht nur tief geschluckt oder auch lautstark protestiert – und wenn Sie viel zu gute Zensuren erhielten, suchten Sie einfach still das Weite.

Sie haben Konflikte durchlebt, haben sich manchmal ganz stark gefühlt, aber dann auch wieder ganz klein und elend – wenn Sie etwa kleinlaut das abgenommene Mobiltelefon im Zimmer des Schulleiters wieder abholen mussten.

Sie haben gelernt, wie schnell man für Lehrer und auch für Mitschüler zu einem beschriebenen Blatt wird und man sich manches Mal wünscht, das Blatt wäre leer, damit alles noch einmal umgeschrieben werden kann.

Sie mussten Zurückweisungen und Enttäuschungen verkraften, aber haben, wenn Sie ehrlich sind, auch solche ausgeteilt.

Sie haben Ihre besorgten Eltern erlebt, teilweise Ihre überbesorgten Eltern, die sich schon in der fünften Klasse darum sorgten, dass Sie schlechtere Chancen auf dem Arbeitsmarkt haben könnten, wenn zwei oder drei Stunden des Biologieunterrichts ausfielen.

Sie haben andererseits gelernt, damit umzugehen, wie Ihre Eltern im Laufe der Jahre zu akzeptieren schienen, dass die Schule vorwiegend und allein die Angelegenheit ihrer Kinder sei, wenn Sie sich morgens um 8.30 Uhr noch im Bett räkelten, obwohl die erste Schulstunde fast zu Ende war.

Und doch waren es Ihre Eltern, die Ihnen die Tränen abgewischt, Ihnen Mut gemacht, Sie getröstet haben und noch mal Mut gemacht haben. Keine Generation der vergangenen Jahrzehnte hat zu ihren Eltern ein so gutes Verhältnis wie Ihre Generation; darüber können Sie sich freuen.

Sie fest stellen nach zwölf oder mehr Jahren fest, nicht alles war perfekt und Sie stellen fest, Sie selbst sind nicht perfekt, aber Sie haben jeden Tag neue Erfahrungen gesammelt, die Sie glücklich, vielleicht euphorisch, traurig, vielleicht gelangweilt, melancholisch oder aber zufrieden gemacht haben, eben zu jenem Individuum, das Sie heute sind.

Und nun soll Ihnen ausgerechnet ein Mathematiklehrer, also ausgerechnet ein Mathematiklehrer die perfekte Gestaltung Ihrer Zukunft erklären. Noch dazu einer, der mehr als 40 Jahre älter ist als Sie.

Ich weiß, bei vielen Abiturienten und Abiturientinnen löst allein die Nennung des Wortes ZUKUNFT Beklommenheit aus, denn vermutlich mussten Sie in jüngerer Vergangenheit viele „Karriere-bezogene“ Diskussionen zu Praktika, Auslandserfahrungen, zu Studiendauer und Studienabschlüssen teils interessiert, teils genervt über sich ergehen lassen.

Der Redner, der sich nun damit befasst, findet sich flugs in einer undankbaren Rolle wieder. Er läuft unweigerlich Gefahr, entweder in wenig glaubhaften Größenwahn und tiefschürfende Lebensweisheiten zu verfallen – oder aber die vermeintlich absolut sicheren Karrieretipps den Ego-Strategen der künftigen Generation „Bachelor“ mit auf den Weg geben zu müssen: Schneller, besser, strategisch effizient – mit perfektem und perfektioniertem Lebenslauf, in dem selbst das soziale Engagement auf seine ökonomische Verwertbarkeit hin abgeklopft ist.

Sie haben Glück, vor Ihnen steht ja ein Mathematiklehrer, diese sind für manche dieser rhetorischen Versuchungen unter allen Lehrertypen am wenigsten anfällig.

Prägnanter als ein Mathematiker der Antike es vor 2000 Jahren ausgedrückt hat, kann man die Frage nach der Zukunft kaum formulieren. Ein gewisser Archimedes forderte:

Gebt mir einen Platz, wo ich stehen kann, und ich bewege die Erde.

Die Handvoll Abiturienten aus dem Physikkurs wird es auf Anhieb verstehen: Mit einem stabilen Auflagepunkt und einem hinreichend langen und bruchfesten Hebel kann man jede beliebige Masse bewegen. Ob Archimedes seinen Satz allein physikalisch verstanden wissen wollte, ist nicht überliefert.

„Gebt mir einen Platz“ – das ist eine Aufforderung, ein Imperativ.

Die Gesellschaft ist aufgefordert, Ihnen einen Platz zu geben, jedem einen Platz zu geben, wo er stehen kann. Für die Menschenwürdigkeit unserer Gesellschaft ist es ein entscheidender Gradmesser, dass jeder einen Platz finden kann, – einen Platz, an dem man das Mindestmaß an Achtung und Anerkennung erwirbt, auf das jeder Mensch einen Anspruch hat.

Für Sie selbst beginnt dies mit der Forderung nach einem Studienplatz, einem Ausbildungsplatz, es setzt sich fort mit einer Wohnung und einem Arbeitsplatz. Solange nicht jeder seinen Platz erhält, hat unsere Gesellschaft nicht das erreicht, was sie im Sinne der Menschenwürde und der Gerechtigkeit erreichen muss.

„Gebt mir einen Platz“ – das ist eine Forde­rung, die Sie mit Recht stellen können. Sie müssen sie aber auch selbst hören, wenn andere diese Forderung an Sie richten. Selbst dann, wenn es unbequem wird, weil es bedeutet, dass man Egoismus und Trägheit überwindet und die Zivilcourage aufbringt, sich für andere einzusetzen.

Ich komme zum zweiten Teil des Satzes: „einen Platz, an dem ich stehen kann“. Das ist jedenfalls nicht die Hängematte oder die Fernsehcouch, sondern ein Platz, an dem man aufrecht stehen kann, mit erhobenem Kopf.

Häufig sind es gar keine guten Plätze. Wenn es darum geht, stehen zu bleiben, wenn andere wegrennen, sind diese Plätze oft verwaist. Denn man setzt sich dabei Angriffen aus, der Kritik und dem Widerstand. Dazu braucht man Mut. Andererseits aber, es ist ein Platz von dem aus Sie die Welt sehen können, aber nicht damit die Welt Sie sieht. Solche Plätze muss man sich auch erobern.

Die Schlussfolgerung im Satz des Archimedes lautet: „und ich werde die Erde bewegen.“ Eine gewaltige Aussage! Wer seinen Platz gefunden hat, wer aufrecht und sicher steht, der kann etwas bewegen, Einfluss ausüben, kann Fortschritte bewirken, mit seiner Haltung Dinge zum Besseren wenden. Ob viel oder wenig, spielt keine Rolle. Es muss nicht gleich die ganze Erde auf einmal sein – jede Tat hat ihre Wirkung. Auch der Schmetterling in China, so weiß die Chaostheorie, kann in Nordamerika durch seinen Flügelschlag einen Wirbelsturm auslösen. Alles, was hier und jetzt geschieht, hat Einfluss auf das Ganze. Entscheidend sind nicht die hohe Stellung und die Macht, sondern die persönliche Haltung, die Zivilcourage, die Empathie.

Archimedes suchte den einen Punkt, suchen Sie selbst Ihre archimedischen Punkte in Ihrem Leben, von denen Sie die soziale, moralische und politische Welt nicht aus den Angeln, sondern in die tragenden Angeln heben.

Der Schriftsteller Erich Kästner, der vielen als Kinderbuchautor bekannt ist, nannte schon vor vielen Jahren vier archimedische Punkte, die ich verkürzt wiedergebe:

„Punkt 1.: Jeder Mensch höre auf sein Gewissen! Das ist möglich, denn er besitzt eines. [Das Gewissen -] Diese Uhr kann man weder aus Versehen verlieren noch mutwillig zertrampeln. Diese Uhr – sie geht stets richtig. […]

Punkt 2.: Jeder Mensch suche sich Vorbilder! Das ist möglich, denn es existieren welche. Und es ist unwichtig, ob es sich dabei um einen großen toten Dichter, um Mahatma Gandhi oder um Onkel Fritz aus Braunschweig handelt, wenn es nur ein Mensch ist, der im gegebenen Augenblick ohne Wimpernzucken das gesagt oder getan hätte, wovor wir zögern. […]

Punkt 3.: Jeder Mensch gedenke immer seiner Kindheit! Das ist möglich, denn er hat ein Gedächtnis. Die Kindheit ist das stille, reine Licht, das aus der Vergangenheit tröstlich in die Gegenwart und Zukunft hinüber leuchtet. Sich der Kindheit wahrhaft erinnern, das heißt: plötzlich und ohne langes Überlegen wieder wissen, was echt und falsch, was gut und böse ist. […]

Punkt 4.: Jeder Mensch erwerbe sich Humor. Das ist nicht unmöglich, denn immer und überall ist es einigen gelungen. Der Humor rückt den Augenblick an die richtige Stelle. Er lehrt uns die wahre Größenordnung und die gültige Perspektive. Er macht die Erde zu einem kleinen Stern, die Weltgeschichte zu einem Atemzug und uns selber bescheiden. Das ist viel. […]“

„Gebt mir einen Platz, wo ich stehen kann, und ich bewege die Erde.“

Liebe Abiturientinnen und Abiturienten: Die Gesellschaft hat die Aufgabe, einen Platz für Sie bereit zu halten. Sie haben die Aufgabe, Ihren Platz zu finden. Die Schule hatte und hat die Aufgabe, Sie und die jüngeren Schüler darauf vorzubereiten, so gut sie kann. Unser Ziel in den vergangenen Jahren war es und ist es, diese Schule zu einem Ort zu machen, wo jede und jeder erfahren kann, wie es ist, einen Platz zu haben, aufrecht zu stehen und etwas bewegen zu können. Wir sind noch lange nicht an diesem Ziel angekommen und auch Sie sind noch nicht an Ihrem Ziel angekommen. Ich wünsche Ihnen allen, dass Sie mit Selbstbewusstsein, Stolz und Zuversicht Ihren Platz finden, an dem Sie aufrecht stehen können.

Im Namen der gesamten Schulgemeinschaft:

Herzlichen Glückwunsch zum Abitur und Adios Amigos, Adios Amigas

Für den Abiturjahrgang 2012: Nicolas Gies

Liebe Abiturientinnen und Abiturienten,
liebe Lehrerinnen und Lehrer,
Liebe Eltern und Freunde,
liebe Ehemalige!

Foto: EMA

Auch wenn es so nicht üblich ist, habe ich ganz bewusst zuerst uns Abiturienten angesprochen. Heute geht es nämlich vor allem um uns. Wir haben es geschafft: 12 Jahre Schule – bei einigen auch ein bis zwei Jahre mehr – liegen hinter uns. 12 Jahre lang haben wir gepaukt, geträumt, geweint, gelacht. Und alles nur für diesen Tag. Der Tag, an dem uns unsere Abiturzeugnisse überreicht werden. Der Tag, an dem letztlich alles vorbei ist und alles anfängt. Heute verlassen wir die Schule und wir dürfen stolz auf uns sein.

Wer weiß schon, wie viele Stunden wir hier saßen und gebüffelt haben, bis unsere Köpfe qualmten? Wer weiß schon, wie oft wir fast in der Schule eingeschlafen sind, weil wir uns die vorherige Nacht um die Ohren geschlagen haben, um für die Klausur am nächsten Tag zu lernen und dann so früh aufstehen mussten? Wer weiß schon, wie oft wir beinahe verzweifelt sind, weil uns alles über den Kopf wuchs? Wer weiß schon, wie oft wir gelacht haben, weil wir so viel miteinander Spaß hatten? Wer weiß, was wir in 10 Jahren machen werden?
„Das Merkwürdige an der Zukunft ist wohl die Vorstellung, dass man unsere Zeit einmal die gute alte Zeit nennen wird,“ sagte einst Ernest Hemingway. Ich denke, dass dieser Satz auf einen jeden Einzelnen hier zutrifft. Wie in aller Welt sollen wir später auf die Referate, die Facharbeit oder die Abiturklausuren zurückblicken und sagen: „Das war schon ‚was Gutes“? Aber eben dieses Unverständnis, welches sich erst mit der Zeit löst, macht die Zukunft aus. Und so können wir eigentlich jetzt schon sagen, dass es gut war, dass wir uns für das Abitur entschieden haben. Denn nur so steht uns die ganze Welt offen.

Und auch wenn einige von uns es leider nicht geschafft haben, dieses Ziel zu erreichen, war der Weg gewiss nicht umsonst. Wir haben in unserer Schulzeit so viel gelernt, so viel erlebt. Wir waren in Prag, in Rom oder in London. Wir haben Freundschaften geknüpft, von denen vielleicht nicht alle ewig halten, aber die, die halten, sind Gold wert. Wir haben Erfolge erlebt. Wir sind gescheitert und haben uns wieder aufgerappelt. Allein diese Erfahrungen sind unbezahlbar und werden uns im späteren Leben sicherlich noch von Nutzen sein. Ohne die Entscheidung zum Abitur, hätten wir all das nie erlebt.

Nun möchte ich, stellvertretend für unseren Jahrgang, noch einigen Menschen danken.

Ein Dankeschön geht an die Ehemaligen, dafür, dass sie sich die Zeit genommen haben, unsere Entlassungsfeier zu besuchen.

Danke an unsere Eltern und Freunde, die uns stets geholfen haben und immer für uns da waren, wenn wir Probleme hatten.

Vielen Dank an unsere Lehrerinnen und Lehrer. Ohne Ihr Engagement hätten wir es sicher nie bis zum Abitur geschafft. Sie haben uns so viel mit auf den Weg gegeben und immer versucht noch etwas mehr aus uns herauszukitzeln als wir Ihnen angeboten haben.
Ein besonderes Dankeschön geht an Herrn Bruns, der uns vor allem bei der Planung des Winterballs und des Abiballs geholfen hat.

Wir danken unseren Hausmeistern Herrn Kerrinnes und Herrn Bäumler, sowie unserem Schulassistenten Herrn Steins-Tiemann, die uns ebenfalls sehr unterstützt haben.
Danke an die Mensa und ihre Angestellten, die uns in so mancher Krisensituation mit genügend Nervennahrung versorgt haben.

Besonders unseren Sekretärinnen Frau Mock, Frau Kowalinski und Frau Riepenhoff möchte ich danken, dafür, dass sie uns so oft bei sowohl großen Angelegenheiten wie dieser Entlassungsfeier, als auch bei kleineren Dingen wie fehlendem Tesafilm geholfen haben.

Vielen Dank an Herrn Jonas, der die Oberstufe koordiniert hat wie kein anderer und ohne den die Oberstufe um einiges härter gewesen wäre. Leider gehen er, Herr Zumsande und Herr Bach mit uns in ihren wohl verdienten Ruhestand. Dadurch verliert die Schule drei bemerkenswerte Lehrer, für die man hoffentlich würdige Nachfolger findet. Für Herrn Bach, Herrn Zumsande und Herrn Jonas bitte ich einmal um einen Applaus.

Weiterhin möchte ich dann auch noch meinem Jahrgang danken. Vielen Dank dafür, dass ich knapp zwei Jahre lang euer Jahrgangssprecher sein durfte, auch wenn ihr es mir nicht immer leicht gemacht habt. Danke an die Komitees, die so eifrig gearbeitet haben, damit wir nun hier zusammen feiern können. Danke für die Abipartys, den Waffelverkauf, den Winterball, den Abigag, die Lernnachmittage, die witzigen Sprüche und eine tolle Schulzeit. Danke dafür.

Abschließend möchte ich Sie alle nun auf das ein Glas Sekt oder Orangensaft und zu unserem morgigen Abiball im Kaffeehaus Osterhaus einladen.

Und wenn wir gleich alle ein letztes Mal durch diese Türen gehen, dann gehen wir mit einem Lächeln, weil wir wissen, dass die Schule endlich vorbei ist. Wir gehen mit einer Träne im Auge, weil wir wissen, dass die Schule schon vorbei ist.

Vielen Dank!

Für den Ehemaligen- und Förderverein: Hans-Jürgen Flesner

Die Rede liegt noch nicht vor.

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