1. Dieter Rieke (1925-2009) blättert in den Erinnerungen an seine Schulzeit in Osnabrück.

Dieter Rieke (1925-2009) blättert in den Erinnerungen an seine Schulzeit in Osnabrück.

> Schulchronik 1939-1945 von Dr. Büsing

Dieter Rieke, Jahrgang 1925, am 4. September 2009 verstorben, hat mir seine Erinnerungen an die Schulzeit geschickt – vielen Dank dafür. Ich habe sie unverändert für unsere Homepage übernommen und nur einige Bilder aus dem Archiv ergänzt.

D. Rieke hat die Schule 1943 mit einem Vorsemestervermerk* verlassen und wurde zur Wehrmacht eingezogen. Seine Einheit wurde nach Italien verlegt und in Cassino stationiert. So geriet er in die Schlacht um Monte Cassino, eine der längsten und härtesten Schlachten des Zweiten Weltkriegs (17. Januar bis 18. Mai 1944).
Nach der Niederschlagung des nationalsozialistischen Regimes baute er in der sowjetischen Besatzungszone die SPD mit auf. Und weil er sich der Zwangsvereinigung der SPD mit der KPD zur SED (“Sozialistische Einheitspartei Deutschlands”) 1946 widersetze, wurde er im Zuchthaus Bautzen eingekerkert.
Seine Homepage ist auch 11 Jahre nach seinem Tod noch online: http://dieterrieke.com .

h.b-w

Dieter Rieke (Jahrgang 1925) blättert in seinen Erinnerungen über die Schulzeit in Osnabrück

Gegen Ende eines langen und turbulenten Lebensweges tauchen immer wieder mannigfache Erinnerungen an die Jugend- und Schulzeit auf, denen man nachzugehen versucht, weil die Gegenwart im Eiltempo dahinschreitet und immer wieder Neues auf uns einstürmt. Der müßige Betrachter der Geschehnisse flüchtet deshalb gerne in die Vergangenheit, wo andere Maßstäbe galten und das Vorgestern als überschaubar und so gut wie abgeschlossen gilt. Im vorgeschrittenen Alter neige auch ich dazu, über längst Vergangenes nachzugrübeln und mich vor dem Hintergrund eines kleinen Bündels eigener Lebenserfahrungen zu fragen, wie war das damals, als du noch Schüler warst und als junger Mensch versucht hast, deinen Platz in der damaligen Welt mit einem Zielpunkt für dein weiteres Leben zu finden. War das wirklich eine „goldene Jugendzeit“, wie es meine Eltern und die anverwandte Familie später im milden Schein der Erinnerungen versucht haben darzustellen?

Meine Erfahrungen waren im Lichte der Rückschau ganz andere. Die Rede ist hier von der Zeit etwa Anfang der dreißiger Jahre bis zum Kriegsschluß 1945. Ich bin also aus „Ossenbrügge“, wie wir Kinder damals schon mal sagten, und an der Mellerstraße geboren. Als es Zeit wurde, etwas zu lernen und die „Räuberspiele“ in den benachbarten Heckenwegen des Fledders zu beenden, schickten mich die Eltern 1932 zur Teutoburgerschule im Stadtteil Neustadt zum Lehrer Niehaus, der mir Rechnen und Schreiben auf der Schiefertafel beibringen sollte. Niehaus war aber eher froh, dass ich mich um seine Kaninchen im Stall kümmerte und eines zu Weihnachten schlachten konnte. Entsprechend dürftig waren meine Lernergebnisse. Spaß fand ich auch daran, das Schülerheft „Hilf mit!“ der Hitlerjugend während des Unterrichts zu verteilen.

Als es dann hieß, ich solle mich um die Aufnahme am Gymnasium an der Lotterstraße bewerben, „weil mein Vater doch schwer Kriegsgeschädigter sei und ich bestimmt bevorzugt werde“, stellte ich mich bei der Verwaltung der Schule vor. Die obligatorische Aufnahmeprüfung gelang mir mehr schlecht als recht, zumal mir der beaufsichtigende Lehrer Boerma partout nicht bei einer Rechenaufgabe helfen wollte.

Meine Eltern kauften mir eine blaue Schülermütze, und dann war ich stolzer Schüler in der Sexta unter Klassenlehrer Dr. Büsing. Erste Fremdsprache war Französisch, später kam Latein hinzu. – Das Lehrerkollegium ist mir noch heute gegenwärtig. Dr. Wendland war Schulleiter; später erschien Dr. Heinze, ein forscher NSDAP-Mann, von dem man spüren konnte, dass er aus unserer Schule wohl eine „Nationalsozialistische Erziehungsanstalt“ machen wollte. Auch Büsing trug sein Parteiabzeichen mit Stolz am Revers. Von ihm habe ich die erste Backpfeife und einen Schlag mit dem Stock auf die Handfläche bekommen, weil ich beim Unterricht immer wieder durchs Fenster auf die Kirchturmuhr der benachbarten Bergkirche schaute und das Ende der Unterrichtsstunde herbeisehnte. Büsing war autoritär, ein strammer Gefolgsmann der Partei und rigoros bei der Durchsetzung des Unterrichtspensums Französisch. Später übernahm Prof. Heetfeldt den Französisch-Unterricht. Ich kam mit ihm, und er wohl auch mit mir, gut zurecht und büffelte die unregelmäßigen Verben mit dem Konjunktiv im Sprachgebrauch. Ihm habe ich es zu verdanken, dass ich später mit meinen Französischkenntnissen bei der Truppe in Frankreich als Dolmetscher eingesetzt wurde und bis heute davon profitiere. Studienrat Eugen Weinberg holte mich für eine „wichtige“ Funktion ins Schülerorchester, wo ich dann die Triangel bedienen mußte. Auch Zeichenlehrer Schriever kümmerte sich fürsorglich um mich und viele andere auch, die nach Beginn des Krieges sahen, dass wir eines Tages für „Führer, Volk und Vaterland“ in den Krieg ziehen mußten.

Vereidigung der Osnabrücker Hitler-Jugend am 20. April 1936 auf dem Domplatz. Das Bild hat uns Dieter Rieke (Abitur 1943) überlassen; herzlichen Dank! Er schreibt: “Der dritte Bub von rechts in der vorderen Reihe ist Dieter Rieke im Lodenmantel.”

Noch war es nicht soweit. Im April 1936 rief uns der Klassenlehrer auf, „als bewußte Deutsche“ der Hitlerjugend beizutreten. „Zu Führers Geburtstag !“ Am 20. April war die große Vereidigung auf dem Domhof, und wir waren dann richtig stolz eine Uniform zu tragen. So gerieten wir schon früh in den Strudel der Ereignisse in dem Glauben an ein „Großdeutsches Reich“. Zu besonderen Anlässen waren die Straßen mit Hakenkreuzfahnen übersät, die Arbeitslosen waren von der Straße und die Reichsmark hatte ihren guten Wert. Auch mein Vater fand wieder Arbeit bei der Essigfirma Markscheffel an der Bohmterstraße. Es hatte alles seine Ordnung und war im guten Gang – dachten wir. Mittwochnachmittag war H.J.-Dienst auf dem Sonnenhügel, und so erschienen wir schon in Uniform in der Schule.

Allerdings, eines hatte mich damals doch berührt: Auf der Hase-Brücke in der Georgstraße, unweit der Großen Straße, hatte man Schaukästen angebracht, an denen sich die Leute drängten. In den Glaskästen war das Judenhetzblatt „Stürmer“ zu lesen und daneben hingen andere Schmähschriften gegen die Osnabrücker Juden. Wir Jungen machten uns nichts weiter daraus und folgerten nur, dass die Juden wohl wie eine Volkskrankheit sein müßten, die es zu bekämpfen gelte.

Am 10. November 1938 erlebte ich dann das ganze Ausmaß der Progrome gegen die Juden, als mein Freund Helmut Dreinhöfer und ich frühmorgens auf dem Weg zur Schule durch die Rolandstraße fuhren und sahen, dass die dortige Synagoge in Flammen stand. Viele Uniformierte standen da herum, sich den Schaden anzusehen. Wir sahen noch einige Zivilisten, die sich darum kümmerten, geborstene Scheiben beiseite zu räumen. Als wir dies in der Klasse erzählten, sagte ein Lehrer nur: das geschehe den Juden recht, weil sie unser Volk ins Verderben stürzen. So förderte man ein Haßgefühl, das uns für den Krieg beflügeln sollte.

Unsere Klassen im Gymnasium an der Lotterstraße waren keine Ansammlung von Musterschülern. Sie kamen zum Teil von außerhalb und waren auch zu manchen Aktivitäten und Streichen aufgelegt. Unsere sportlichen Aktivitäten wurden schon in der Unterstufe auf das Training im Rudern beim Osnabrücker Ruderverein am Stichkanal Richtung Eversburg gelenkt. Mit dem Fahrrad fuhren wir fast jeden Nachmittag zum Training und trafen dort auf unseren Trainer „Schorse“ Lech, eine h agere Gestalt und ein liebenswürdiger Kumpel, der uns zu guten Leistungen und zur Ausdauer anspornte. Wir trainierten hauptsächlich in einem 1-Meter-Vierer mit Steuermann und schafften es schließlich, für eine Schülerregatta auf dem Hengsteysee bei Hohensyburg, zwischen Herdecke und Schwerte im Ruhrpott, nominiert zu werden . Immerhin erreichten wir den dritten Platz und wurden hernach sogar von Schuldirektor Dr. Heinze als vorbildliche Schüler im Sinne von Leibesertüchtigung „für Führer und Vaterland“ gelobt. Später durften wir auch noch nach Bremen zu einer Jugendregatta auf der Weser fahren.

Dieses Bild hat Herr Dieter Rieke im März 2008 geschickt; er schreibt: “Das … Bild stammt aus dem Jahr 1936/37 mit unserem Klassenlehrer Dr. Büsing. Ich kann mich noch an folgende Schüler erinnern: links 1. Schüler Hutschenreuther/ 2. Ahrends/ 4. von links Dieter Rieke/ Dr. Büsing/ 6. Helmut Dreinhöfer (lebt heute in München)/ von rechts 3. Paul Kruse/ alle anderen Namen sind mir entfallen.”

Das alles war für uns natürlich ein wenig Abenteuer und förderte das Kameradschaftsgefühl. Im Bootshaus am Stichkanal .verbrachten wir viele schöne Stunden mit Mutters Kartoffelsalat und Biwak hinterm Haus, bis es dann reichlich spät wurde und wir bei Fliegeralarm nach Hause eilten. Der Krieg hatte begonnen und änderte auch unsere Lehrpläne. Obwohl einige Referendare zum Kriegsdienst eingezogen wurden, bemühte sich die Schulleitung, den Lehrbetrieb so gut es ging aufrecht zu erhalten. Wir Schüler trugen die Kluft der Hitlerjugend und fühlten uns als Hoffnungsträger der Nation. Auf dem Weg nach Hause zogen wir durch die Große Straße und luden die Mädels vom Lyceum schon mal in die Eisdiele neben dem Kino „Capitol“ ein. Die waren auch gerne dabei, als es hieß, daß wir eine „große Fete“ im Ausflugslokal Kampmeier am Hegerholz mit den neuesten Jazz-Platten veranstalten wollten. Es lief alles ganz prima und war eine „Mordsgaudi“, wie man heute sagen würde. Schade nur, dass meine Freundin Ulla Lampe um Mitternacht zu Hause sein wollte. – Wir haben noch oft über unser Fest gesprochen; ahnten wir vielleicht schon, was uns der Krieg noch bringen würde?

Bei der Hitlerjugend gab es um die Zeit ein „Fliegerfähnlein“, zu dem ich überwechselte. Dort übten wir auf der Atter Heide mit dem Gleiter SG 38 und wechselten dann auf größere Maschinen, mit denen wir die Segelflugprüfungen ablegen konnten. Auf der Reichssegelflugschule in Hamburg-Fischbeck machte ich schließlich mit einem Überlandflug den Luftfahrerschein. Was blieb da noch an Zeit für die Schule? Sie ist doch nur ein notwendiges Übel, meinten wir und lebten unsere Jugendzeit nach Kräften aus. Über die vielen Streiche, deren Opfer die Lehrer waren, schweigt lieber des Schülers Höflichkeit. Hier nur zwei Kostproben: Unseren Musiklehrer Eugen Weinberg erschreckten wir mit einem Skelett derart, dass er einige Tage zu Hause bleiben mußte. Und Dr. Büsing brachten wir zur Verzweiflung, wenn wir im Unterricht hinter dem Schulschrank in seinem Rücken eine Kasperfigur mittels Faden auftauchen ließen und schallendes Gelächter ausbrach. Tausend Dinge gibt es, mit denen man die Lehrkräfte auf den Palme bringen kann – gestern und heute. Wir waren damals keinen Deut besser als die Schüler von heute. Die Schulzeit bleibt uns, trotz aller Widrigkeiten, immer in guter Erinnerung.

Dieter Rieke (Abitur 1943) schreibt: “Hier ein Foto vom Rosenplatz in Richtung Johanniskirche, das ich 1942 aus der Straßenbahn gemacht habe.”

Anfang 1942 wurde ich dazu aufgerufen, mich beim Luftschutzhilfsdienst zu melden. Man brauche dort noch junge kräftige Leute als Melder. Ich bekam eine graue Uniform und wurde einem älteren Wachmann zugeteilt, der oben im Turm der Katharinenkirche Ausschau nach feindlichen Fliegern halten und diese per Telefon in die Zentrale melden sollte. Ich ging meist nachts zum Dienst und hatte unterhalb der damals noch steilen Turmspitze einen herrlichen Ausblick auf die Stadt bis nach Ibbenbüren, zum Schinkel und bis zum Schölerberg. Das ließ sich gut an: vormittags Schule und abends durch die kleine Tür an der Westseite des Turmes hinauf über unzählige Treppen an den Glocken vorbei bis zur Plattform mit dem Rundgang, wo eine kleine Schlafstelle aufgebaut war. Dort oben habe ich die ersten Nachtangriffe auf Osnabrück erlebt und mit schlotternden Knien den Abgang hinunter gesucht. Durch die brennenden Straßen flüchtete ich nach Hause. Gottlob war dort alles heil geblieben.

Am 10. August 1942 bemerkte ich vom Ausguck aus, daß unsere Schule an der Joh-str-rieke-2Lotter Straße nach einem Bombenangriff in Flammen stand. Als ich dort eintraf, gab es nicht mehr viel zu retten. Mit einem fürchterlichen Getöse kam die Decke unserer Aula mit dem schönen Bild von der Verkündigung des Westfälischen Friedens herunter und riss die Orgel mit in die Tiefe. Es war aus und vorbei mit der Schule. Wenig später siedelten unsere Klassen ins Carolinum über. Aber wer hatte da noch Lust weiterzulernen – was interessierten da noch Vokabeln und Logarithmen? Mein Elternhaus am Modemannskamp wurde bei einem Bombenangriff schwer beschädigt, und mir blieb nichts anderes übrig, meinen Eltern, die schon Wochen vorher bei der Verwandtschaft in Gardelegen nördlich von Magdeburg untergekommen waren, nachzufolgen und dort in einem kleinen Gymnasium am Unterricht teilzunehmen. Die Jungen und Mädchen nahmen mich wohlwollend auf, aber es half nichts, ich konnte keine fünf Jahre Englisch nachholen. So blieb es bei einem Vorsemestervermerk, mit dem ich 1943 in den Krieg zog.

Es folgten viele turbulente Jahre meines Lebens, die ich hier nur kurz andeuten möchte: Als Fallschirmjäger war ich dann in Monte Cassino und danach an der Küste der Normandie bei der Invasion der alliierten Truppen. Im Juli/August 1944 gelang mir in Cherbourg der Ausbruch aus der amerikanischen Gefangenschaft. Als Franzose gekleidet gelangte ich hinter den amerikanischen Linien nach Deutschland und versteckte mich bei meinen Eltern bis zum Ende des Krieges. Bis 1948 arbeite ich als Journalist für westdeutsche Zeitungen und wurde dann vom sowjetischen Geheimdienst verhaftet und fast neun Jahre eingesperrt. Später arbeite ich wieder als Journalist und habe mit meiner Frau viele Länder dieser Welt bereist. Wer das alles nachlesen möchte, mag zu dem kleinen Buch greifen, das ich unter dem Titel „Geliebtes Leben“ geschrieben habe. – Wie gesagt, es war ein oft abenteuerliches, aber immer geliebtes Leben. Bis auf Helmut Dreinhöfer in München sind die meisten meiner Klassenkameraden im Krieg geblieben und die wenigen, die noch heimkamen, inzwischen verstorben… – Wir waren eine junge, hoffnungsfrohe Generation, für die mir nur noch ein bitteres Stück an Erinnerung geblieben ist. –

* Vorsemestervermerk: Das Abgangszeugnis berechtigte zum Studium an einer Hochschule. Voraussetzung war allerdings, dass das Vorsemester an einer wiss. Hochschule. erfolgreich absolviert war.

 

Kurz nach Riekes Tod schrieben die “Osnabrücker Nachrichten” (ON, 22.11.2009):

Osnabrücker saß 8 Jahre im Zuchthaus in Bautzen

Dieter Rieke gegen Zwangsvereinigung von (Ost-)SPD und KPD

Osnabrück (eb) – Er war Sozialdemokrat. Er arbeitete im Untergrund für die SPD in der Sowjetischen Besatzungszone (SBZ), aus der die DDR hervorging. Er wurde enttarnt, inhaftiert und zu 25 Jahren Zwangsarbeitslager verurteilt, von denen er acht Jahre absitzen mußte. Am 4. September dieses Jahres ist Dieter Rieke gestorben. Geboren wurde er am 21. Juni 1925 in Osnabrück.
Auf seine Spur stieß Dr. Volker Issmer in der November-Ausgabe des Mitteilungsblattes von „Gegen Vergessen – Für Demokratie”. Er fand einen ausführlichen Nachruf, mit dem die Vereinigung, an deren Spitze heute Joachim Gauck steht, eines ihrer Gründungsmitglieder ehrte. Issmer fragte weiter und fand eine Reihe von Informationen im Internet, aber nicht vor Ort. „Das ist um so bedauerlicher”, meint der OS-Historiker, „als es sich offensichtlich um einen wirklich bemerkenswerten Menschen handelt, dessen Andenken es verdient, hoch gehalten zu werden.”
Rieke scheint mit der Familie schon früh nach Gardelegen (Sachsen-Anhalt) verzogen zu sein. Nach Rückkehr aus dem Krieg schloß er sich der Sozialdemokratie an. Er war ein Gegner der Zwangsvereinigung von (Ost-)SPD und KPD zur SED und half, den (verbotenen) Widerstand dagegen zu organisieren. Er leitete Informationen an das neugegründete „Ostbüro” der SPD in Hannover weiter, bis er 1948 vom sowjetischen Geheimdienst NKVVD verhaftet wurde.
Damit begann eine lange Leidenszeit, die ihn durch die DDR-Haftanstalten Halle, Hohenschönhausen, Berlin-Lichtenberg, Potsdam und vor allem Bautzen führte. Aber auch im Gefängnis gab Rieke seinen Widerstand nicht auf. Er war maßgeblich an dem „Aufstand der Verzweifelten” 1950 in Bautzen beteiligt.
Seine Freilassung 1956 erfolgte erst auf Druck der internationalen Öffentlichkeit. Später im Westen wurde er Vorsitzender des SPD-Arbeitskreises ehemaliger politischer Häftlinge, arbeitete in dieser Funktion eng mit Herbert Wehner zusammen und wurde Mitbegründer der Vereinigung „Gegen Vergessen – Für Demokratie”, die in der Aufarbeitung der Geschichte der beiden deutschen Diktaturen engagiert ist. Zuletzt lebte Rieke in Rüsselsheim. Seine Memoiren unter dem Titel „Geliebtes Leben: Erlebtes und Ertragenes zwischen den Mahlsteinen jüngster deutscher Geschichte” erschienen 1999 (Berlin).
„Dieter Rieke ist in Osnabrück nicht bekannt. Aber natürlich ist unsere Partei sehr interessiert daran, mehr über ihn zu erfahren”, meint Heiko Schulze, Geschäftsführer der SPD-Fraktion im Stadtrat. Mit Issmer stimmt er darin überein, daß versucht werden sollte, mehr über den Lebensabschnitt Riekes zu erfahren, den er in Osnabrück verbracht hat. So ist z. B. nicht bekannt, wo er wohnte, in welche Schule er gegangen ist und ob es noch Kontaktpersonen in unserer Stadt gibt.
Wer etwas über Dieter Rieke weiß, wende sich bitte an die SPD-Ratsfraktion/Heiko Schulze (TeL 0541/3234448) oder Dr. Volker Issmer (Tel. 0541/443506.)

25 Jahre Arbeitslager – das Urteil der DDR-Strafjustiz gegen Dieter Rieke – Foto: AdsD/Friedrich-Ebert-Stiftung

 

 

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