1. gramse-1964

Gramse, Georg

Fächer: Englisch / Geschichte; unterrichtete an unserer Schule von 1958 bis zu seinem Tode 1964

Nachruf

Wieder hat unsere Schulgemeinschaft Abschied zu nehmen von einem Lehrer, der aus dem aktiven Dienst abberufen wurde.
Ernst Moritz Arndt sagt: „Das ist unser Beruf, das ist die erste Aufgabe des Tages, daß wir Gerechtigkeit und Menschlichkeit üben lernen und Tapferkeit der Seelen und Ernst der Sitten, wodurch unsere Väter gelobt wurden, als uraltes deutsches Erbe voranstellen.“ So faßte auch der Heimgegangene seinen Dienst auf, den Dienst für den jungen Menschen, für den Mitmenschen. Er ließ Freiheit und half mit verstehender Güte, daß der einzelne ihm anvertraute Schüler seine geprägte Form lebend entwickelte.
Wie so viele unserer Schüler und Kollegen stammt er aus dem Osten unseres Vaterlandes, wo sein Vater Konrektor in Westpreußen war. Doch schon als Schüler kam er in den Westen, legte in Bochum die Reifeprüfung ab, studierte in Münster, Würzburg und Köln. Dort bestand er die wissenschaftliche Staatsprüfung mit hohem Prädikat und erhielt die Lehrbefähigung für Deutsch, Englisch und Geschichte. Die pädagogische Ausbildung in Hagen und Recklinghausen schloß sich an. Bis zur Einberufung zum Wehrdienst 1939 wirkte er an einer ganzen Reihe von westfälischen Schulen. 1941 wurde er zum Studienrat befördert. Von 1945-1954 blieb er in Parderborn.
Helmstedt, Wolfenbüttel, Sulingen waren die nächsten Etappen in diesem Wanderleben. Zunehmende gesundheitliche Störungen zwangen ihn, nach einem Ort zu suchen, der durch seine klimatischen Bedingungen ihm Linderung verschaffen konnte. Er erhoffte sie von der Übersiedlung nach Osnabrück. So kam er zum 1. April 1958 zu uns. Die Erwartungen erfüllten sich nicht. Mit eiserner Energie hatte er es erreicht, daß er weder in Wolfenbüttel noch in Sulingen Unterricht wegen Krankheit versäumte, und wir haben es alle miterlebt, wie er bis zum letzten sich für seine verantwortungsvolle Aufgabe einsetzte, die ihm noch in diesem Schuljahr u.a. mit dem Deutschunterricht in Kl. 12, dem Englisch- und Gemeinschaftskundeunterricht und der Klassenleitung in einer Klasse 13 gestellt war.
Er gehörte zu den Stillen im Lande, die, wie Arndt einmal sagt, nicht Ideen in sich aufjagen, sondern über ldeen ausruhen. Bei meinem ersten Unterrichtsbesuch in Sulingen notierte ich, daß er sich um vielseitige Anregung bemühte, daß er die Probleme von mehreren Seiten beleuchtete. Er gab den Schülern Zeit zum Nachdenken, zum Hineinwachsen in ihre Aufgabe. Seine Stunden boten kein sprühendes geistiges Feuerwerk, er schürte, um in diesem Bilde zu bleiben, die stetig leuchtende Flamme, die wärmte. So fand er die Liebe seiner Schüler, und das ist die tiefste Erfüllung, die ein Lehrer in seinem Berufe erringen kann. Seine Sorge galt dem einzelnen, und es bleibt unvergessen, wie er sich einsetzte, wenn ein Schüler in schwerer Lage der Hilfe des Erwachsenen bedurfte.
Sein Lebenswerk ist nun abgeschlossen. Für uns ist sein Wirken Beispiel und Verpflichtung.
Über das Grab hinaus bleibt ihm die Dankbarkeit der Schulgemeinde.
(aus Gedenkrede)

Quelle: „neue realität„, Heft 17/18, Sommer 1964

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