Lindenmeyer, Veit

Fach: Kunst

Veit Lindenmeyer unterrichtete am EMA von 1962 bis zu seiner Pensionierung Sommer 1996

Er ist am 1. November 2019 in seinem 86. Lebensjahr verstorben.

Nachruf auf einen Kunstlehrer (Prof. Dr. Peter Tepe, Abitur 1968)

> zur PDF-Version

Homepage:: http://veit-lindenmeyer.de

 

1996 ist Veit Lindenmeyer in den Ruhestand getreten. Unten kann man des Pensionärs “Wünsche für die Unterrichtsverteilung” sehen – ein sorgfältig ausgefülltes Formular. Zum Abschied hat sein Künstler-Kollege Thomas Johannsmeier über “Das Lindenmeyer” geschrieben:

K(l)eine Naturkunde
Die künstlerische Befruchtung (Das Lindenmeyer)

Zur Gattung der Lehrer gehört das Lindenmeyer, eine ungewöhnlich seltene Unterart, die sich vornehmlich in undichten Gebäuden mit Neonbeleuchtung aufhält. Es ist leicht an seinem aufrechten, schnellen Gang zu erkennen. Die Behaarung nimmt am Kopf etwas ab und wird durch eine pilzartige Mütze ersetzt. Es trägt kleine Glasscheiben vor den Augen, die es als ranghöchstes Männchen ausweisen, den Gegner bei Revierkämpfen einschüchtern und vermutlich eine besondere Weitsicht ermöglichen. Im allgemeinen ist es ein geselliges Wesen, das häufig in Begleitung eines großen, vollständig behaarten Männchens auch Ausflüge außerhalb des Baues unternimmt Die meiste Zeit ist das Lindenmeyer damit beschäftigt, einer Vielzahl von Jungtieren unbestimmter Gattungen die Beschäftigung mit seltsamen Objekten näherzubringen. Es handelt sich dabei um flache, rechteckige Tafeln, deren Oberfläche aus bisher nicht identifizierten Bildern oder Zeichen bestehen. Diese Tafeln werden überraschenderweise nicht gefressen, sondern lange betrachtet und dann in Schubladen oder Schränken versteckt. Völlig rätselhaft ist das Phänomen, daß diese Wesen in einer dunklen Höhle längere Zeit einen hellen Lichtfleck beobachten, der aus einem Kasten an die Wand der Höhle geworfen wird.

Das Lindenmeyer ist ein normalerweise friedfertiges Wesen, das jedoch in plötzlichen Aggressionsschüben wehrlose Jungtiere mit spitzen Federhaltern oder Bleistiften bedroht und sie zu stundenlangem Stillsitzen zwingt. Erstaunlicherweise kommen die Jungtiere jedoch immer wieder zu ihm und verhalten sich munter und unerschrocken. Reviereindringlingen begegnet das Lindenmeyer unerschrocken und wehrhaft. Ein Rätsel für die Wissenschaft ist das Verhalten der gesamten Gattung, und hier bildet das Lindenmeyer keine Ausnahme, nach jahrelanger Pflege von ungezählten Jungtieren plötzlich und ohne Vorwarnung den Bau zu verlassen und sich nur noch in der eigenen Höhle der Aufzucht engster Sippenmitglieder zuzuwenden. Dies führt zu folgendem Problem: Während sich die Mehrzahl der Gattung der Vermittlung von Nahrungsbeschaffung und Aufnahme widmete und hier der Nachwuchs nun an die Stelle der ehemaligen Leittiere tritt, wird das merkwürdig zweckfreie Tun des Lindenmeyers nur einem ausgewählten Männchen übertragen, das in der Überfülle der Jungtiere etwas ratlos zurückbleibt. Es ist zu befürchten, daß diese seltsame Laune der Natur das Lindenmeyer auf Dauer zum Aussterben verurteilt. Ist auch der Grund für das jahrzehntelange Schaffen dieser intelligenten Art dem Menschen bis heute verschlossen, so können wir doch erkennen, wie selbstbewußt und kreativ sich die Jungtiere in der Obhut des Lindenmeyer entwickelt haben und wie bedeutsam es sein könnte, ähnliche Erziehungsprinzipien auch auf den Menschen zu übertragen.

Thomas Johannsmeier

P.S.: Man beachte die „Wünsche für die Unterrichtsverteilung und den Stundenplan im Schuljahr 1996/97″ des Pensionärs Veit Lindenmeyer auf S. 46! (vgl. unten)

Quelle: ema-report 1996, S. 10f.

„Wünsche für die Unterrichtsverteilung und den Stundenplan im Schuljahr 1996/97″ des Pensionärs Veit Lindenmeyer

Bilder zum neuen EMA vor dem Umzug in die Dodesheide (aus dem Kunstunterricht 1978/1979)

Vor dem Umzug des EMA aus der Innenstadt an die Knollstraße regte Lindenmeyer seine Schüler im Kunstunterricht an, ihre Vorstellungen von der neuen Schule zu zeichnen.
Zwei Beispiele sind hier aufgeführt:

1.

2.

———————-

Erinnerungen an Veit Lindenmeyer / Äußerungen aus E-Mails Ehemaliger:

… Als Ehemaliger … kamen Erinnerungen an einen bemerkenswerten Lehrer in mir auf. Viele Dinge erfuhr ich durch Details ihrer Nachricht. VL war in seiner besonderen Art ein Lichtblick im Lehrkörper des EMA … als Schüler hatten wir ihm viel zu verdanken! …
Mit stillem Gruß

… Auch wenn er mein künstlerisches Talent nie erkannt hatte (in der 8. Klasse hatte ich sogar eine 5 auf dem Zeugnis), so ist es traurig, von seinem Tod zu erfahren. Immer wieder, wenn eine Lehrkraft verstirbt, geht das nicht spurlos an mir vorbei. Das zeigt, wie eng doch die Bindung zum EMA und den Lehrkräften war, ein Lebensabschnitt. Klar kam ich nicht mit allen klar ( … ), aber wir haben sie „erzogen“ und wir haben uns arrangiert …

… Ich konnte mich tatsächlich noch genau erinnern wie er ausgesehen hat. Herr Lindenmeyer war „einer von den Guten“ …

Danke für die Nachricht. Ich habe neulich noch an Herrn Lindenmeyer gedacht und den Artikel auf der Seite vom EMA gelesen. Er hat mir die Kunst und das Malen näher gebracht. Davon profitiere ich heute noch.

Wir haben unseren Kollegen über die vielen Jahre sehr geschätzt. Ich habe ihn noch als Schüler der Oberprima an unserem EMA kennen und schätzen gelernt.

Ich hab Herrn Lindenmeyer in guter Erinnerung, vor allem als Vollblut- Kunsterzieher, wie es sie nicht oft gibt. Wie traurig, dass er schon gehen musste.

… als ehemaliger Schüler (Abitur 1971)meines hoch geehrten Lehrers Veit Lindenmeyer möchte ich … mein tiefes Mitgefühl zum Ausdruck bringen .
Noch heute kann ich mich sehr gut an seinen exzellenten Unterricht erinnern und weiß, dass es ihm nicht nur ein Anliegen war, seinen Schülern die Kunst näher zu bringen, sondern darüber hinaus-gleichsam en passant-für andere wichtige Themen zu sensibilisieren. Schon Mitte der Sechzigerjahre verstand es Herr Lindenmeyer , uns Schülern nachhaltiges Denken und Wirtschaften näher zu bringen. Er war damit seiner Zeit weit voraus und hat uns jungen Menschen das richtige Rüstzeug mit auf den Weg gegeben.
Dafür möchte ich mich noch nachträglich bedanken und allen Angehörigen und Freunden von Veit Lindenmeyer mein herzliches Beileid aussprechen.