Lübker, Johannes, Dr.

Fächer: Französisch, Englisch, Erdkunde, Sport

Koordinator; unterrichtete von 1948 bis 1966; am 30.12.1966 in den Ruhestand getreten

Dr. Lübker (etwa 1965; Foto: privat)

 

Ein ehemaliger Schüler schreibt, dass Lübkers persönliche Autorität so groß gewesen sei, dass durch sein bloßes Erscheinen auch die lauteste Klasse augenblicklich verstummte.

Laudatio zur Verabschiedung in den Ruhestand (Renker/Henke

Oberstudienrat Johannes Lübker trat in den Ruhestand

„Was einer ist, was einer war, beim Scheiden wird es offenbar.“ Selten wurde ein Dichterwort so lebendig, wie es uns mit diesen Versen Hans Carossas erging, als wir in der Aula unserer Schule am 30. Dezember 1966 Herrn Oberstudienrat Dr. Johannes Lübker aus dem aktiven Schuldienst verabschiedeten. An verantwortlicher Stelle in der organisatorischen Leitung der Schule stehend, war er uns vertraut als ein Mann der knappen Worte, aber auch der klaren Entscheidungen, denen sich jeder gern und widerspruchsfrei beugte, weil sie stets einsichtig waren. Oft streng, aber immer gerecht, so kannten ihn die Schüler. Unbestechlich in der Sache, aber stets verbindlich in der Form, so schätzten ihn die Kollegen, deren Vertrauensmann er über viele Jahre hin war. Eine Angelegenheit, die er in seine sichere Hand genommen hatte, führte er unverdrossen und zäh zu Ende, ohne dabei sich und andere zu schonen. Er war ein Mann des geraden Weges, das wissen alle, die so viele Jahre mit ihm zusammengearbeitet haben. Sein Rat war geschätzt, seine Hilfe begehrt und zuverlässig.
Wer so beispielhaft lehrt, erzieht und wirkt, lebt aus einer überlegenen geistigen Mitte heraus, die wir immer gespürt und geachtet haben. Ein Geschenk Dr. Lübkers an uns alle war, daß er in seinen Abschiedsworten vor Lehrern und Schülern uns um das Geheimnis seiner kraftvollen Beständigkeit wissen ließ. Es liegt in den Worten beschlossen, die er uns selbst als die Richtschnur seines Handelns nannte, nicht nur zur Erinnerung, mehr wohl noch zur Beherzigung:
„Ich habe erkannt, daß wir nicht auf der Welt sind, um zu genießen, sondern um unsere Pflicht zu tun. Wohl dem, der weiß, wo seine Pflicht liegt!“
Einer unserer Großen hat gesagt, daß seine Pflicht zu erfüllen nichts anderes sei, als die Forderung des Tages zu erkennen und ihr zu genügen. Wie diese leichte und zugleich schwere Aufgabe zu meistern ist, hat uns Dr. Lübker unentwegt in seinem täglichen Handeln vorgelebt. Dafür sollten wir ihm nicht nur mit Worten danken, sondern die Verpflichtung spüren, seinem Vorbild nachzueifern. Ihn so zu ehren, wäre ihm am Ende seiner aktiven Laufbahn selbst das größte Geschenk.
Möge zuletzt auch der Chronist noch zu Worte kommen:
Dr. Lübker wurde 1901 in Ölingen, Kreis Wittlage, geb. Er entstammt einer Bauernfamilie, die dort seit vielen Jahrhunderten ansässig ist. Der berufliche Weg führte ihn von seinem Heimatort nach Diepholz und Wunstorf, wo er 1922 am Seminar die erste Lehrerprüfung ablegte, dann nach Hunteburg, wo er eine private Familienschule leitete, später zum Studium an die Universität Münster und nach Paris an die Sorbonne. Seine Studienfächer waren Geographie, Anglistik, Romanistik und Sport. 1930 promovierte er in Münster und bestand im gleichen Jahre das Staatsexamen für das höhere Lehramt. Als Referendar und Assessor wirkte er in Harburg, Hannover, Wunstorf und am Ratsgymnasium in Osnabrück. 1936 wurde er Studienrat in Emden. Während des Krieges hatte Dr. Lübker Gelegenheit, nicht nur zu lehren und zu bilden, sondern sich auch mit der Verwaltung einer größeren Schule vertraut zu machen. Als nämlich das Wilhelmsgymnasium in Emden wegen der Bombenangriffe in die Nähe von Fulda verlegt wurde, übernahm er die gesamte Leitung des Lagers, eine Aufgabe, die ihm wichtige Erfahrungen für seine spätere Tätigkeit in Osnabrück vermittelte. Nach zwei Jahren Kriegsdienst und Gefangenschaft kehrte er aber zunächst nach Emden zurück, bis er sich 1948 an das Ernst-Moritz-Arndt-Gymnasium in Osnabrück versetzen ließ. Hier wurde er 1958 Verwaltungsoberstudienrat und gleichzeitig Fachleiter für Erdkunde am Staatlichen Studienseminar. Am 31. März 1966 durfte er sein 40jähriges Dienstjubiläum feiern.
Auch im Ruhestand wird er nicht untätig bleiben und unterrichtet in beschränktem Umfang zunächst weiter an seiner alten Schule, der er so eng verbunden gewesen ist.
Rkr/Hke (Renker/Henke; webmaster)

(aus: „neue realität“ Nr. 28 / Frühjahr 1967)

Klasse 6 mit Klassenlehrer Dr. Lübker, aufgenommen wahrscheinlich 1948 Foto: EMA