Mielcarczyk, Georg, Dr.

Fächer: Französisch und Englisch

* 1895 in Königsberg (Ostpr.); unterrichtete von 1948 bis zur Versetzung in den Ruhestand 1960

Laudatio zur Verabschiedung von Oberstudienrat Dr. Mielcarczyk

„Bei Ihnen an der Schule ist sicher alles in bester Ordnung. Ich habe die Empfindung, daß die Schule ohne mich sicher sehr gut auskommt“ – so schrieb mir am 11. Mai unser verehrter Kollege Dr. Mielcarczyk aus seinem derzeitigen otium cum dignitate in Hamburg, doch muß ich gestehen, daß hier jenes „Da irrt Goethe“ wohl am Platz zu sein scheint, denn wir vermissen ihn wirklich. Wo er war, waren Heiterkeit und fröhliches Lachen, waren die Fülle der Bonmots und das geistreiche Florettspiel der Worte, und einen Nachfolger für diesen – bei einem Ostpreußen an sich etwas ungewöhnlichen – „gallischen“ Esprit zu finden, ist nicht ganz leicht. Gallischer Esprit, Bonmots, Ironie und Satire, ein wenig Invektive manchmal, sehr treffend meist – das eben ist beste Romanistenmanier. Und Dr. Mielcarczyks Metier war ja das Französische, dem sich Englisch und Erdkunde anschlossen. Daneben aber verfügte „Miele“ über den Lebensstil eines wahren Humanisten. Zumindest zeigte sich das in seiner Vorliebe für Gestalten und Werke der Latinitas – sie erschien so oft in seinen Zitaten -, andererseits in der menschlichen Fülle, in der er stand: Man denke nicht dabei an die Bonhomie seiner Physis, obwohl auch sie Achtung einflößte, sondern an seine große geistige Beweglichkeit, die vor allem in weiten Reisen ihr Feld fand: Von Sizilien bis in den Norden, von Spanien bis weit in den Osten hat er seine Reisen teils als Soldat, teils als Zivilist gedehnt. Zunächst startete er seine Welterkundungsfahrten von seiner Heimatstadt Königsberg/Ostpr. aus, wo er 1895 geboren wurde, sein Abitur machte und auch seinen ersten Truppendienst versah, der ihn gleich nach Polen und Galizien, nach Kurland und Frankreich bringen sollte. Und auch seine Studienstadt blieb nach dem 1. Weltkrieg Königsberg, wo er

Dr. Mielcarzcyk – „Miele“, „Wolf“, „Bauch“; Foto: privat

später über Voltaire und Rousseau promovierte – der eine gab ihm den Esprit, der andere verstärkte die angeborene Reiselust,-, und es schien dann fast so, als wenn er nun Kant, seinem großen Landsmann, folgen wolle, der Königsberg ja nie verlassen hat. Aber im deutschen Schicksalsjahr 1923 kam er nach Braunsberg in Ostpreußen an die Staatl. Schloßschule, alsdann von 1939 bis 1945 an die dortige Hermann-von-Salza-Schule, d. h., in diesem Gymnasium erschien er nur in den Listen der Lehrer: Er selbst war in dieser Zeit in Polen und Frankreich, in der Ukraine und in Italien. In Danzig bei Kriegsende verwundet, kam Hauptmann Dr. Mielcarczyk dann nach Karlsbad, wo die Amerikaner ihn „aufnahmen“.
Und nun mußte sich ostpreußische Zähigkeit bewähren und im Westen neu beginnen. Sein Haus in Braunsberg war zerstört, seine Eltern dort gestorben, der Beruf bis 1948 verschlossen, aber geblieben war ihm seine liebe Frau, mit der er 1947 in Oesede die Silberhochzeit feiern konnte, geblieben auch die drei Söhne und zwei Töchter. Am 1. Oktober 1948 kam er zu uns an das E.-M.-Arndt-Gymnasium, und zwölf Jahre lang war er uns allen ein lieber Kollege. Ja, und wir vermissen ihn nicht wenig, seinen Witz, sein Lachen, seine menschliche Güte und Heiterkeit. Und wir freuen uns, wenn er – wie er es versprach – uns wieder einmal besucht, es werden köstliche Stunden sein, und wir wollen auf viele von ihnen freudig hoffen und ihm noch viele Jahre auf seiner sonnendurchfluteten Erde wünschen.

Dr. Knoke; aus: „neue realität„, Nr. 8 (Sommer 1960)

 

Lehrer „Miele“ Mielcarczyk und Referendar „Tarzan“ Schrell
Dr. Mielcarzcyk – „Miele“ und Referendar „Tarzan“ Schrell bei einem,Ausflug ca. 1952 – Foto: W. Klemmer