Pabst, Wilfried, Dr.

Studiendirektor; seit 2005 im Ruhestand
Dr. Pabst ist am 4. Februar gestorben.

Nachruf

Wir trauern um unseren ehemaligen Lehrer Dr. Pabst.

Dr. Wilfried Pabst ist am 4. Februar 2024 in seinem 85. Lebensjahr gestorben.

1984 ist Dr. Pabst als Koordinator ans EMA gekommen.

Er vertrat die Fächer Latein und Geschichte, kümmerte sich um das (gesellschaftswissenschaftliche) Aufgabenfeld B, später auch einige Jahre lang um den Stunden- und Vertretungsplan.

Ein Lehrer, der starke eigene Akzente zu setzen wusste, ein Original geradezu war er, friedlich und sanft im Auftreten, immer korrekt und höflich-distanziert. Er trug seine Begeisterung für die Geschichte und die lateinische Sprache in seine Klassen, Kurse und Studienfahrtgruppen, wie so mancher Kursbericht in Abiturzeitungen belegen mag.
Seine manchmal altertümliche, immer aber penibel korrekte Ausdrucksweise war ein auffälliges Charakteristikum und wird uns immer in Erinnerung bleiben.

Neben seiner Tätigkeit am EMA fand er Zeit für eine umfangreiche Publikationstätigkeit und für Übersetzungen aus dem Mittellateinischen und dem Niederdeutschen, Projekte, die er auch noch verfolgte, als seine Kräfte bereits deutlich nachgelassen hatten.

Nicht nur als Fachkollege, sondern auch in unserer dörflichen Abkunft, dem Interesse an bäuerlichen Lebensverhältnissen und der Liebe zur Antike habe ich mich mit Wilfried Pabst verbunden gefühlt.
Nach längerer Krankheit ist sein reichhaltiges Leben als Lehrer, Forscher und Übersetzer nun zu Ende gegangen.

Aeternum vale.

Helmut Brammer-Willenbrock

Erinnerungen Ehemaliger

Auf die Nachricht vom Tode Dr. Pabsts haben einige Ehemalige geschrieben:

„Als Lehrer habe ich ihn nur selten erleben können aber dennoch als Ikone immer aus der Schulzeit in Erinnerung behalten.“

„Ich hatte (Dr. Pabst) … nur mal in ein oder zwei Vertretungsstunden, fand ihn … irgendwie sympathisch. Ich fragte ihn mal, warum er „nur“ eine Ente fahre. So als Studiendirektor und Dr. Er meinte zu mir sinngemäß, das sei keine Frage des Geldes, sondern das sei eine Lebenseinstellung. Das weiß ich noch bis heute.“

„An Herrn Pabst habe ich viele gute oder lustige Erinnerungen, an seine Liebe zum Konjunktiv und die festgefrorene Handbremse in seinem Auto auf dem Schulparkplatz zum Beispiel. Ich schließe ihn in meine Gebete ein.“

„Unterricht hatte ich nie bei ihm, aber er war immer präsent. Plus seine Ente auf dem Parkplatz …“

„Was für eine traurige Nachricht. Herr Dr. Pabst war für mich einer der prägenden Lehrer in meinem Leben, von dem ich heute noch gerne erzähle und auch weiter erzählen werde.“

 

Pabst, Wilfried, Dr.

Studiendirektor; seit 2005 im Ruhestand

Fächer: Latein, Geschichte

Lebenslauf: Westerkappeln, 05.08.1939; ABI 1959; Studium in Münster, Tübingen, Innsbruck: Promotion in Klassischer Philologie / Alter Geschichte
1973-80 Lehrer an der deutschen Schule Paris
Hobbies: Fussball, Geschichte der Stadt Osnabrück und des Osnabrücker Landes, Geschichte des Westfälischen Friedens
bevorzugtes Urlaubsziel: Norderney, Weimar, Rom, Paris, Südtirol

andere nennenswerte Merkmale:

> Rede auf der Entlassungsfeier für die Abiturientia 2004

> „Der gutere Geschichts-LK“: Kursbericht Leistungskurs GE32, Abitur 2004 (aus der Zeitung der Abituria 2004)

Veröffentlichungen:
  • Gebet und Fürbitte. Stiftungsurkunde für das Zisterzienserinnenkloster Börstel (2021)
  • Wehrbündnis der westfälischen Vierstädte von 1324 (2020)
  • Westfalen in Zeiten der Fehden.  Die vier Städte: Münster, Osnabrück, Soest und Dortmund schließen ein Wehrbündnis gegen die  Burg- und Landesherren 1318
  • Altersvorsorge im Heilig-Geist-Spital
  • Hessische Migranten: Straßenkehrer aus Hessen-Darmstadt in Paris („Allgemeine Zeitung“, Beilage „Leben und Wissen“, Mainz, 28./29.07.2018
  • Westfälisches Landfriedensbündnis von 1374 (2018)
  • Graf Nikolaus von Tecklenburg und Bischof Johann von Osnabrück schließen 1351 ein Bündnis auf zwei Jahre ( 2018)
  • Leibzucht. Sicherung  des Lebensunterhalts  und Vorsorge  für  das Alter (2017)
  • Friedrich von Bodelschwingh und die evangelische Mission unter den Deutschen in Paris (1858 – 64), 2017.
  • Notabilia: Benno – ein Heiliger? (2017)
  • Regionale Quellen zum Westfälischen Landfriedensbündnis von 1373 (2017)
  • Osnabrücker Fehden und Urfehden (2017)
  • Der Westfälische Landfrieden von 1372 (2016)
  • Fragment der Iburger Annalen (2016)
  • Marktgeleit (2016)
  • Annalium Iburgensium Fragmenta (2015)
  • Wachszinsige Freibauern (2015)
  • Benno II. und der Fürstenspruch von 1077. Quellen zum Osnabrücker Zehntstreit in deutscher Übersetzung (2014)
  • Heergewäte und Gerade (2015)
  • Konverse und Konversinnen (2015)
  • Neubruchzehnt (2014)
  • “ religiosa persona “ (2014)
  • Jahrgedächtnisandachten (2013)
  • Aufstieg und Niedergang des Klosters Osterberg (1427 – 1633) (2013)
  • Übersetzung der Gründungsurkunde der Liebfrauenkirche zu Eversburg (2012)
  • Gebetsbruderschaften (2012)
  • Verbot der Auswärtsehe für Eigenbehörige/Leibeigene (2011)
  • Leibeigenschaft im Fürstbistum Osnabrück
  • Hörige und Leibeigene im Fürstentum Osnabrück. Spätmittelalterliche/frühneuzeitliche Quellen zur Geschichte des Osnabrücker Landes. Ausgewählt und aus dem Mittellateinischen / Mittelniederdeutschen übertragen von W.P.
    Rezension in: „Bersenbrücker Kreisblatt“, 29.12.2010: „Dem Wohlwollen ihrer Herren ausgeliefert“
  • Grundherrschaft und Leibeigenschaft. Spätmittelalterliche / frühneuzeitliche Dokumente zur Wirtschafts- , Sozial- und Rechtsgeschichte des Fürstbistums Osnabrück. Ausgewählt und aus dem Mittellateinischen / Mittelniederdeutschen übertragen
    > Bericht in der Westfälischen Tagespost, 19. September 2009
    > Rezension in Bersenbrücker Kreisblatt, 07. November 09
    > „Über den Tausch von zugehörigen Menschen“: Bericht über einen Vortrag im Stift Börstel, Bersenbrücker Nachrichten, 24.02.2010
  • Seelgerätstiftungen zugunsten des Heilig – Geist – Hospitals in der Stadt Osnabrück
  • Eheberedung und Verlobungsvertrag zwischen den Grafen von Tecklenburg
    und von Ravensberg, 1238. (2OO8)
  • Memorienstiftungen der Grafen von Tecklenburg im Fürstbistum Osnabrück.
    (2OO8).
  • Kaiser Friedrich I. Barbarossa und der Osnabrücker Zehntstreit (2007)
  • Bischof Benno II. und der Osnabrücker Zehntstreit. Unechte und echte Dokumente zum Rechtsstreit um den Kirchenzehnten zwischen dem Bistum Osnabrück und den Klöstern Corvey und Herford. Lateinisch/Deutsch (2OO6); Besprechung in: Osnabrücker Mitteilungen 111 (2006), S. 378f.; Deutsches Archiv für Erforschung des Mittelalters 65/1 (2009), S. 187f.
  • Der Vertrag von Glandorf, 1231 (2006)
  • Reliquien für das Benediktinerkloster Iburg
  • Ablassbrief für das Kloster Ösede, 1298
  • Übersetzung eines lateinischen Epigramms in: Die Iburg. Ehemalige fürstbischöfliche Residenz mit Benediktinerkloster St. Clemens
  • Übersetzung lateinischer Urkunden in: Meppen im Spiegel historischer Quellen
  • Städtebündnis im Hohen Mittelalter
  • Vertrag zwischen den Nonnenklöstern in Herford und Osnabrück (2002)
  • Die „Erfekse“ in Osterberg bei Lotte, in: 750 Jahre Osterberg (2001)
  • Übersetzung der Urkunde von 1177 mit der erstmaligen Erwähnung der Marienkirche in Osnabrück (ibidem)
  • Die Übertragung des Heiligen Alexander von Rom nach Wildeshausen (Translatio S. Alexandri), in: Heilige Helfer. Reliquien im Spiegel der Osnabrücker Bistumsgeschichte (2001).
  • Konfessioneller Wechsel in der Landesherrschaft. Ausgewählte Dokumente zur konfessionellen Aufteilung des Osnabrücker Landes nach den religionspolitischen Bestimmungen des Westfälischen Friedens (2000); Besprechung in: Osnabrücker Mitteilungen 103 (1998), S. 346f.
  • Konfessionelles Nebeneinander im geistlichen Fürstentum Osnabrück. Protokolle des Generalvikars Albert Lucenius über die Visitation der Kirchen und Klöster im Osnabrücker Land (1624/25). Nach der Urhandschrift aus dem Lateinischen übersetzt (1997); Besprechung in: Osnabrücker Mitteilungen 103 (1998), S. 345f.; Signale. Kulturregion Osnabrücker Land 1 (1998), S. 24.
  • Aufstieg und Untergang des Klosters Osterberg bei Lotte (1994)
  • Subproletariat auf Zeit: deutsche „Gastarbeiter“ im Paris des 19. Jahrhunderts, in : K.J. Bade (Hrsg.), Deutsche im Ausland – Fremde in Deutschland (1993)
  • Bischöfliche Landesherrschaft und städtisch-bürgerliche Freiheit. Ausgewählte Quellen zur Einführung in die Geschichte der Stadt und des Hochstifts Osnabrück von ihren Anfängen bis zum Westfälischen Frieden (1994).
  • Einführung in die politische Geschichte des Osnabrücker Landes. Darstellung und Quellen (1990)
  • Das Jahrhundert der deutsch-französischen Konfrontation. Ausgewählte Quellen zur Einführung in die deutsch-französische Geschichte von 1866 bis heute (1983/87); Besprechungen in: Internationale Schulbuchforschung. Zeitschrift des Georg – Eckert – Instituts (1984).
  • Die evangelische Mission unter den Deutschen in Paris (1840-1870), in: Dokumente. Zeitschrift für den deutsch-französischen Dialog und übernationale Zusammenarbeit, 40. Jahrgang, Heft 4 (1984).
  • 120 Jahre Deutsche Schule(n) in Paris (1980)
  • Cn. Marcius Coriolanus – Einzelkämpfer oder Gruppenrepräsentant, in: Der altsprachliche Unterricht XX/5 (1977)
  • Die Ständekämpfe in Rom als Beispiel für einen politisch-sozialen Konflikt, in: Der altsprachliche Unterricht XVI/3 (1973)
  • Quellenkritische Studien zur inneren römischen Geschichte der älteren Zeit bei T. Livius und Dionys von Halikarnass. Dissertation Innsbruck 1969; Rezensionen (u.a.): Gnomon 50 (1978), S. 182 – 187; Zeitschrift der Savigny –Stiftung für Rechtsgeschichte 99 (1982), S. 383 – 388.

Aus der Abizeitung 2004:

Geschichte 32 – der gutere Geschichts–LK

Putzig. Das ist das Wort, das Herrn Pabst wohl am treffendsten beschreibt, denn er ist einfach der Beste: Lehrer aus Leidenschaft, für den wir, sein letzter Geschichts–Lk, Herzensangelegenheit waren, obwohl wir sicher nicht die einzigen Schüler waren, die seine Obhut genießen konnten! Seit der 12ten Klasse bereitete er uns gewissenhaft auf unser großes “Endspiel“ vor, indem er in uns ein reges Interesse an der “Wissenschaft vom Wandel“ weckte. Für ihn war es wohl ein mehr oder weniger steiniger Weg, der bei einigen mit einer Wanderung durch die Rockies zu vergleichen ist. Er gab jedoch nie auf, und dafür wollen wir ihm hier und jetzt danken! Ganz nach dem Motto “do, ut des“ geben wir ihm zumindest einen Teil der Zuwendungen, die wir durch ihn erfuhren, zurück.
Seine Leidenschaft für die Geschichte können von uns wohl nur wenige verinnerlichen, doch einen Teil davon hat sich jeder in seinem Herzen (und Hirn) bewahrt. Ein für ihn und später auch für uns klar ersichtliches Faktum ist zum Beispiel, dass der Schlüssel für das Verständnis der deutschen Geschichte sowohl die fatale geostrategische Mittellage in Europa als auch die Geschichte Polens ist. Des Weiteren wissen wir, dass Geschichte von “schichten“ ( lateinisch “struere“ ) kommt, sie nicht geradlinig verläuft und man für sie Phantasie und Kenntnisse in der Geographie sowie in der Politik der Vergangenheit benötigt. Ganz besonderen Wert legt Herr Dr. Pabst auf den “schönen Konjunktiv“, ohne den es in Klausuren Unterkurse hagelte.
Unser “Geschichtslehrer des Jahres“ hat diesen Titel in vollem Maße verdient. Er suchte immer die bezeichnendsten Quellen heraus, die wir und vor allem Pascal mit der Behutsamkeit behandeln mussten, die man auch seiner Freundin zuteil lassen würde, und organisierte Treffen mit Zeitzeugen. Legendär sind seine durch profunde Kenntnisse unterlegten Stadtführungen mit vorangehendem Besuch beim Glühweinstand ( nach dem Irina betrunken durch die Stadt torkelte – bei einem Glas Glühwein! ). Nicht nur Glühwein, auch Kuchen oder Eis bekamen wir zu den verschiedensten Gelegenheiten ausgegeben von dem Manne, der keinem hinterher läuft – und dem umgekehrt auch keiner hinterher laufen muss, weil die frischen Quellen zur Bearbeitung von Hausaufgaben auch auf dem Raucherhof verteilt wurden. Obwohl Herr Pabst ja eigentlich von Natur Fußballer ist, “halber Franzose“, ein Mann der alten Garde mit den vorbildlichsten Umgangsformen und den kürzesten Klausurkorrekturzeiten, da es ihm an allen Wochentagen außer Dienstags (Fußballtag) eine Freude war, unsere “Gesamtkunstwerke“ zu lesen.
Seine Stunden, in denen er die Tafel lediglich für den Titel der jeweiligen Stunde sowie für die Verdeutlichung der Herkunft griechischer und lateinischer Fachfremdworte benutzte, begannen immer mit Punkt Null, der Organisatorisches betraf, und endeten auch jedes Mal mit dem Pausengong. Da nach diesem bekanntlich ja nicht mehr geboxt wird – dieser Ausspruch befindet sich jetzt sogar im Bilderrahmen verewigt bei Herrn Pabst an der Wand.
In seinem Unterricht, für den man kein genuines Geschichtsverständnis oder –interesse brauchte, da er dies in den Meisten von uns zu wecken verstand, versuchte er sowohl seinen “Stars“ wie auch den Stilleren vollauf gerecht zu werden, indem er zunächst aus besagten Schüchternen etwas Geschichtsträchtiges herauszukitzeln versuchte. Wenn dies nicht gelang, musste er wohl oder übel auf seine “Stars“ zurückgreifen, die ihn nie enttäuschten (Walter war sogar fähig, seine Gedanken zu lesen).
Nun wollen wir auch die übrigen Schüler unseres LK’s erwähnen:
Dank einem der Stars, Alex, wissen wir nämlich, dass Chamberlain 1938 EXTRA seine Flugangst überwand, um mit Stalin zu verhandeln. Einer unserer Daniels hatte in wirklich jeder Klausur ohne Ausnahme 11 Punkte, da er immer bei 12 Punkten einen und bei 13 zwei abgezogen bekam, wobei uns bei den ausgedehnten Klausurbesprechungen öfter mal ein Schmunzeln entwich (eigentlich war es wirklich ein Gelächter, aber nicht ein böses). Der andere Daniel gilt als “Göthe“ – Fan und (als ehemaliger Sozialist) als umstrittener Russlandexperte. Das berühmte Problembewusstsein war bei Max besonders stark und öfters auch zynisch ausgeprägt und machte selbst starke Unkenntnisse bei historisch relevanten Daten (Beginn des Ersten Weltkriegs) wett. Vera stach mit ihren Klausuren und ihren Kenntnissen von geschichtlichen Daten besonders heraus (15 Punkte waren keine Seltenheit); nach Herrn Dr. Pabsts Worten waren diese “erste Sahne“ und es war ihm ein Genuss daraus vorzulesen. Doch nicht immer war der Unterricht friedlich, eine Auseinandersetzung zwischen Vera und Sören endete beinahe in einem Massaker…
Sören, unser LK–Mäuschen, dem der Unterricht nach Herrn Doktor Pabst ab und an schon mal zu hoch erschien, überstand den Fight nur mit seelischen Blessuren.
Nun wollen wir zum Klassenclown Philipp mit enormem geographischen Wissen kommen, der den Unterricht meist mit lustigen Kommentaren (manchmal politisch unkorrekt) auflockerte. Mario alias Marco hat sich immer darauf gefreut, dass in der Pause nicht geboxt wurde und er rauchen gehen konnte. Nicht zu vergessen der ruhende Pol: Sarah und Marie, die nicht durch Kommentare, sondern durch beständiges und fleißiges Mitschreiben auffielen. Und schließlich noch Allesia: Sie war es, die Herrn Pabst zu einem Rouge et Noir–Witz inspirierte, den wir hier leider nicht wiedergeben dürfen…
Doch nun die traurige Nachricht unserer Lobeshymne auf Herrn Pabst:

Leider ist die Ära Pabst nun für uns zu Ende und auch für ihn war es sein letztes Jahr, in dem er sich einen 40jährigen Lebenstraum (der Fledermaus) in der Abi – Klausur erfüllte. Keiner wird mehr in den Genuss seines Unterrichts, der wirklich allererste Sahne war, kommen. –

Im Namen unseres Kurses:

DANKE

Max, Sören und Vera

Entlassungsfeier der Abiturientia 2004 – für die Schule sprach StD Dr. Pabst:

Liebe Abiturientinnen und Abiturienten,
verehrte Eltern, Jubilare und Freunde unseres Gymnasiums

Seit Tagen geht mir eine Geschichte nicht aus dem Sinn, die sich so auch zugetragen hat, vor 2 1/2 tausend Jahren, im antiken Griechenland:

Aristipp, Lehrer der Mathematik in Athen, unternahm mit Freunden eine längere Seereise an die kleinasiatische Küste.

An einem unbeständigen, wechselhaften Junitag – so wie es heute einer ist – lichteten sie frühmorgens die Anker. Die Akropolis erglänzte in der hellen Sommersonne, das Erechtheion und der Parthenontempel, die Wiege der abendländischen Kultur.

Doch, es sollte anders kommen als gedacht. Ein Unwetter brach über sie herein, ein schwerer Seesturm; das Steuerruder zerbrach, das Schiff trieb in den Wellen umher, lief auf ein Riff und drohte zu sinken. Sie konnten sich gerade noch an Holzplanken festklammern und schwimmend an Land retten.

Da lagen sie nun an einem fremden Strand, ohne zu wissen, wo sie überhaupt waren, froh mit dem nackten Leben davon gekommen zu sein, doch ohne Aussicht auf Rettung, wie es schien. –

Als sie sich dann doch aufrafften und am Strand näher umsahen, entdeckten sie feine Spuren von geometrischen Figuren, die sich im Sand abzeichneten: Kreise, Dreiecke, Quadrate …

Da soll Aristipp seinen Begleitern zugerufen haben:

„Lasst uns guter Hoffnung sein! – Ich sehe Spuren von Kultur und Zivilisation.“ –

Sogleich machte er sich auf den Weg ins Landesinnere, gelangte in die Stadt Rhodos, eilte geradewegs auf das Gymnasium zu und bot dort seine Dienste an: Unterricht in Geometrie, Lehrvorträge in Philosophie. Er fand bald aufmerksame Schüler und Hörer; sie gaben ihm alles, was er für das tägliche Leben brauchte, überhäuften ihn mit Geschenken, die er an seine Freunde weiterreichte. Nach ein paar Wochen wurden seine Begleiter ungeduldig, sie wollten nach Hause zurück und fragten ihn, ob er eine Botschaft für sie habe, die sie überbringen sollten? –

Da ließ Aristipp seinen Landsleuten in Athen bestellen:

„Gebt euren Kindern solche Güter mit auf den Weg in das Leben, die selbst einen Schiffbruch überdauern!“ –

Ein römischer Architekt hat diese Geschichte überliefert. Er nimmt sie übrigens zum Anlass, seinen Lehrern und Eltern für die gediegene Bildung und Ausbildung zu danken – besonders seiner Mutter.

Liebe Abiturientinnen und Abiturienten,

das Abitur, das Sie in den letzten Tagen geschafft haben, ist ein Knotenpunkt, ein End- und ein Ausgangspunkt in einem. Nicht zuletzt deswegen haftet ihm etwas Faszinierendes, ein eigentümlicher, ewig junger Zauber an.

Sie haben nun die freie Wahl über Ihre Berufs- und Lebenschancen. Das ist nicht wenig, jedenfalls etwas, worum Sie mancher von uns Älteren schon einmal beneiden möchte. Wer sich mit Ihnen in jüngster Zeit unterhalten hat – zwischen den Prüfungen oder auf Kurstreffen -, hat Ihre Erleichterung und Befriedigung über die eigenen Leistungen, und auch schon Ihre Ungeduld und opti­mistische Aufbruchstimmung gespürt.

Mit welchen Erwartungen oder Hoffnungen entlässt Sie heute Abend Ihre Schule? – Ich will dafür einen Philosophen bemühen, der einen Brief seines Schülers erst mehrere Monate später erhielt. „Deinen Brief habe ich erhalten“, schrieb er zurück, „den Überbringer habe ich dann nicht mehr gefragt, was Du tust und wie es Dir geht. Ich hoffe, dass Du inzwischen so lebst, dass ich immer weiß, was Du tust, wo Du auch sein magst. Was wirst Du nämlich Anderes tun, als dass Du Dich täglich besser machst?“ –

Und noch eine zweite Stelle mute ich Ihnen zu – zum Abschied von Ihrer Schulzeit und Ihrer Schule:
„Glücklich ist der Lehrer, der nicht nur durch seine Gegenwart, sondern auch dann noch seinen Schüler besser macht, wenn der an ihn zurückdenkt. Glücklich ist der Schüler, der seinen Lehrer so verehren kann, dass er auch noch in Erinnerung an ihn sich formt und bildet.“

Liebe Abiturientinnen und Abiturienten,

Ihre Lehrerinnen und Lehrer, alle, von der Grundschule bis zum Abitur, unsere beiden Sekretärinnen, die ganze Schulgemeinde freut sich mit Ihnen über Ihren Erfolg und wünscht Ihnen:

GUTES

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Verabschiedungsfeier am 28. Januar 2005
Rede von Wolfgang Jonas

Liebe Christa, liebe Tochter Silke, lieber Wilfried,
liebe – vor allem auch ehemalige – Schülerinnen und Schüler,
liebe Kolleginnen, liebe Kollegen, liebe Gäste.

Glücklich ist der Lehrer, der nicht nur durch seine Gegenwart, sondern auch dann noch seinen Schüler besser macht, wenn der an ihn zurückdenkt. – Glücklich ist der Schüler, der einen Lehrer so verehren kann, dass er auch in Gedanken an ihn, sich formt und bildet.

Wilfried Pabst mutete diese Zeilen, wie er sich ausdrückte, den Abiturienten des Jahrgangs 1989 zu. Diese Worte, Abiturienten mit auf den Weg gegeben, erhalten mit dem heutigen Tag, lieber Wilfried, auch für dich eine neue Bedeutung. Glücklich, wie in dem Zitat angesprochen, ist am heutigen Tage zunächst vermutlich niemand. Die Schule nicht, denn sie verabschiedet einen der namhaftesten Lehrer und Kollegen in den Ruhestand, die Schülerinnen und Schüler dieser Schule wohl auch nicht, denn eine der markantesten Lehrerpersönlichkeiten dieser Schule verabschiedet sich – und du selbst, du sprachst, als wir uns über deine Verabschiedung unterhielten, über die Vorplanung von Beerdigungsfeierlichkeiten. Nur die Familie, liebe Christa, hat Grund zur Freude, Papa ante portas ist nicht als Drohruf zu verstehen.

20 Jahre am Ernst-Moritz-Arndt-Gymnasium liegen hinter dir, lieber Wilfried – von einem Urgestein dieser Schule will mancher vielleicht sprechen. Doch du würdest dich vermutlich gegen eine solche Charakterisierung wehren, deine Wurzeln liegen woanders. Und obwohl deine Biografie neben den 20 Jahren am Ernst-Moritz-Arndt-Gymnasium auch andere Merkmale von Bodenständigkeit, nämlich den engen Bezug zur Heimat aufweist, so geht eine solche Kennzeichnung doch fehl. Kennzeichnend für dein gesamtes berufliches Leben ist der beständige Wechsel von der Heimatnähe in die Ferne – eigentlich ist gerade Wilfried Pabst mit seinem beruflichen Werdegang die Personifizierung des europäischen Gedankens, des offenen und liberalen europäischen Geistes an unserer Europaschule.

Geboren in der Zeit vor dem Krieg hier in der Nachbarschaft, im ländlichen Westerkappeln. Dann der Besuch des Gymnasiums in Tecklenburg mit dem Abitur im Jahr 1959, eine Zeit die dich sehr geprägt hat, mit, so weiß ich, wahrhaft glücklichen Erinnerungen an die dort unterrichtenden Lehrer. Das Studium und die Promotion führten dich aus der engeren Heimat heraus. Tübingen, Münster und Innsbruck waren die Stationen. Die Aufnahme des Schuldienstes führte dich dann wieder zurück, diesmal nicht nach Westfalen, sondern Niedersachsen, nach Osnabrück. Referendariat am Gymnasium Carolinum – und das als Protestant – dann die erste Anstellung als Assessor in Osnabrück am damaligen Lyzeum, dem Mädchengymnasium am Wall.

1973, liebe Christa, lieber Wilfried, hier spreche ich Euch gemeinsam an, weil Ihr die Entscheidung dafür gemeinsam getroffen habt, ein wichtiger Knotenpunkt in Eurem Leben: der Wechsel an die deutsche Schule in Paris. Die Zeit in Paris bis 1980 war für Euch eine Zeit, die Euch nicht nur die Freude und Verbundenheit mit französischer Sprache, Kultur und Lebensweise vermittelte, sondern auch einen pädagogischen und menschlichen Erfahrungsschatz, der auch für deine Tätigkeit am Ernst-Moritz-Arndt-Gymnasium von großer Wichtigkeit wurde.

Zurück in Osnabrück, fandest du eine veränderte Schullandschaft vor; es gab nun die Orientierungsstufe, das Lyzeum hieß nun Gymnasium in der Wüste und befand sich auch dort, das Ernst-Moritz-Arndt-Gymnasium war in die Dodesheide umgesiedelt und bot auch Latein als 2. Fremdsprache an. Zunächst für einige Jahre ging es wieder an das Gymnasium in der Wüste, dann erfolgte im Jahre 1984 die Beförderung zum Koordinator für das Aufgabenfeld B am Ernst-Moritz-Arndt-Gymnasium – eine Stelle, die es bis dahin nicht gab. Denn das Ernst-Moritz-Arndt-Gymnasium hatte damals nur zwei Koordinatoren für die Aufgabenfelder A und C. Die Realität in der Schulleitung am EMA war damals alles andere als erfreulich. Der damalige Koordinator für den Stundenplan und den Vertretungsplan war gesundheitlich nicht mehr auf der Höhe. Diese Aufgaben fielen Dir bald zu, ich glaube, ohne dass Du sie dir je richtig erwünscht hast. Und dennoch, als ich 1988 an das Ernst-Moritz-Arndt-Gymnasium kam, habe ich gerade von Dir gelernt, mit welcher Akkuratesse, mit welcher Zuverlässigkeit und – vor allem in einer Zeit als erstmals die Computer in die Schulen gelangten – mit welchem Stil, mit welch menschlichem Großmut und wenn erforderlich auch Nachsicht, Du an diese Aufgaben gegangen bist und sie in für mich vorbildhafter Weise bewältigt hast. Hier hat kein Buchhalter, sondern ein feiner Mann seine Arbeit verrichtet. Diese Auffassung für den Umgang mit den Kollegen, Schülern und Mitarbeitern hast Du Dir auch bei der Erledigung aller weiteren Aufgaben bewahrt, die dir bis heute als Koordinator übertragen wurden, sei es im Aufgabenfeld B, wo Du selbst wohl eher Deine Wurzeln siehst, seit ein paar Jahren im Aufgabenfeld A oder auch im allgemeineren Verwaltungsbereich, angefangen bei der Koordination der Studienfahrten bis hin zur Organisation der Lernmittelfreiheit.

In den gemeinsamen 17 Jahren, die wir hier hatten, eigentlich immer bei geöffneter Durchgangstür, die erst geschlossen wurde, als sich in dem Durchgang plötzlich landeseigene Lernmittel türmten, noch etwas erfahren und diese Erfahrung lässt sich mit einem Wort umschreiben:

Kollegialität, schlicht und einfach Kollegialität, die uneigennützig ist , frei von Hintergedanken, dagegen verbunden mit Beistand in dunklen Stunden.

Keine Selbstverständlichkeit, wie wir alle wissen, gerade wenn es um Beförderungen, um das Gerangel um Dienstposten geht. Um auf das Eingangszitat zurückzukehren, ich konnte all die Jahre und kann mich glücklich schätzen, Wilfried Pabst als Kollegen zu haben.

Denken ehemalige Schüler zurück an das Ernst-Moritz-Arndt-Gymnasium, dann lautet eine der ersten Fragen stets: Ist Dr. Pabst noch am EMA? Man erinnert sich, dann an eine Ausnahmeerscheinung: An einen Gelehrten und Wissenschaftler, an den Lehrer der wie kaum ein anderer mit Sprache umgehen kann, der mit vornehmer Zurückhaltung nuanciert und doch prägnant seine „päpstlichen Ansichten“, wie sie Schüler nennen, häufig aber kleine Weisheiten zu äußern vermag. Anglizismen sind dabei Wilfried Pabst fremd, das allein muss bei Schülern der heutigen Zeit schon Verwunderung hervorrufen. Was vielleicht manchem als Nebensächlichkeit erscheinen mag, ist ihm wichtig. Denn wissenschaftlich richtiges Denken erfordert auch den richtigen Umgang mit der Sprache. Ich erinnere mich noch amüsiert, wie Du, lieber Wilfried, genussvoll den Disput mit dem früheren Direktor dieser Schule, der selbst Germanist war, über das Fugen-S im Wort der Aufsichtsführende, richtig der Aufsichtführende, geführt hast, das sich – niemand weiß, wer verantwortlich ist – in alle amtlichen Abiturdokumente eingeschlichen hatte. Und es erfüllte Dich mit stiller Genugtuung, dass aus genau einem ähnlichen Grund, nämlich wegen eines falsch platzierten Fugen-S vor einigen Wochen sogar der deutsche Bundestag die Formulierung des Grundgesetzes mit Zweidrittelmehrheit ändern musste.

Prägend für deine Zeit am EMA und prägend für den Unterricht am EMA ist etwas, was dir mehr als zum Hobby, nämlich zur Leidenschaft geworden ist und das verbindet sich auf eine wunderbare Weise mit deiner Tätigkeit als Lehrer. Jeder weiß, dass ich jetzt nicht den Fußball meine, sondern die Arbeit an der Osnabrücker Stadt- und Regionalgeschichte. Deine Liste von Veröffentlichungen ist lang; sie alle verbindet dasselbe Anliegen: nämlich historisch Interessierten die Möglichkeit zu bieten, noch sichtbare historische Zeugnisse in unseren Alltag einordnen und verstehen zu können, wie Du selbst schreibst. Das ist für Dich eines der Grundanliegen eines zeitgemäßen Geschichtsunterrichts. Die Anerkennung dafür blieb nicht aus, alle deine Schüler erinnern sich an deine einzigartigen Stadtführungen, sie erinnern sich daran, von einem Lehrer unterrichtet worden zu sein, der sich mit der Sache identifiziert und sie zu seinem ureigenen Anliegen macht. Auch das ist keine Selbstverständlichkeit in einer Zeit, in der immer wieder darüber nachgedacht wird, Lehrerstudiengänge auf das angeblich in der Schule „wirklich Notwendige“ zu reduzieren. An verschiedenen Stellen konntest du dafür Anerkennung erfahren, im Jahr 2002 die Verleihung des Preises der Henning-von-Burgsdorf-Siftung wegen der besonderen Förderung des Geschichtsunterrichts und bereits 1999 die Verleihung des Sonderpreises beim niedersächsischen Landeswettbewerb für Geschichte mit deinem damaligen Geschichtsleistungskurs – „Mensch und Tier in der Geschichte“, so das Thema des Wettbewerbs. Es wurde eine überaus anregende philosophische Betrachtung daraus. Deine quellenkritische Bearbeitung lateinischer Urkunden und Texte hat Dich zu einem gefragten Experten in Osnabrück gemacht. Jüngeren, vielleicht noch ortsfremden, Kollegen sei angeraten, sich die Übersetzung der Urkunde zur Ersterwähnung der Marienkirche ebendort anzusehen.

Glücklich werden deine früheren Schüler an die Kursfahrten nach Rom zurückdenken, sie sind bereits legendär, sie hatten für ganze Schülergenerationen unserer Schule Kultstatus, wie man heute sagt. Für viele Schüler – ebenso auch für mich – werden sie unvergessen und unvergesslich bleiben, die Führung durch das Forum Romanum genauso wie der Besuch eines Erstligaspiels, womöglich im Fantrikot von Lazio Rom.

Diese Schule, lieber Wilfried, hat Dir viel zu verdanken, viel mehr als man aus dem Alltagsgeschäft ermessen kann. Die Hingabe zu Deinen beiden Lehrfächern, die Du vertrittst, ist beispielhaft; der Stil und die Atmosphäre dieser Schule sind von dir entscheidend beeinflusst. In besonderem Maß gilt dies für den Kreis der Koordinatoren und der Schulleitung. Gemeinsam wünschen wir Dir, Herr Bruns, Herr Schröder und ich, dass Dir die gute Gesundheit, die für Dich in deiner aktiven Zeit kennzeichnend war – Zwischenfrage: Hat er eigentlich jemals gefehlt? – , auch im Ruhestand erhalten bleiben möge, so dass es Dir gegeben sein wird, auch in Zukunft Deinen Leidenschaften, Deinen Hobbies zu frönen. Seien es das aktive Fußballspiel, das Reisen – zusammen mit Christa -, das Kartenspiel, die Arbeit an der Regionalgeschichte – oder einfach auch nur das Zusammensein mit der Familie und mit Freunden und Bekannten. Ich wünsche uns, dass uns die anregenden Gespräche mit Dir erhalten bleiben.

Wolfgang Jonas

Rede von Karin Jabs-Kiesler

Lieber Wilfried!

Einige Worte sollen es doch sein nach so vielen Jahren des gemeinsamen Streitens an dieser Schule, speziell im Sinne der Historie. Zwanzig Jahre sind wenig im Kontext der Römischen Geschichte, die Dich neben der Osnabrücker Stadtgeschichte wohl immer am meisten bewegt hat, aber zwanzig Jahre sind viel im Kontext unseres beruflichen Lebens. Es ist mehr als die Hälfte davon. Vieles ist heute Morgen zu Deinen Ehren bereits gesagt worden. Da gilt es schon zu überlegen, ob Neues hinzugefügt werden kann. Zumindest aber Persönliches. Du bist 1984 als Studiendirektor an diese Schule gekommen, und ich kann sagen, dass ich die fachlichen Auseinandersetzungen mit Dir immer geschätzt habe, zumal ich Glück hatte mit Dir als Prüfer meiner Abiturvorschläge und –korrekturen. Dass wir über Bismarck nicht immer einer Meinung waren, das lasse ich einmal dahin gestellt. Immerhin stimmtest Du dem Urteil eines englischen Zeitgenossen zu Bismarcks Außenpolitik, erschienen im Morning Advertiser, ebenso wie ich begeistert zu. Deinen Geburtstag habe ich mir übrigens mit Bezug auf Weißenburg und Wörth gemerkt, zwei Schlachten des deutsch-französischen Krieges. Das tut mir leid, aber dein friedliches Auftreten hat solche Assoziationen gleich abgemildert.

Aber lassen wir diese zu sehr an den fachlichen Schulalltag erinnernden Aspekte und wenden wir uns amüsanteren zu. Dazu gehören zum einen die Erinnerungen an Reisen mit Dir, zum anderen solche an Abiturzeitungen, in denen sich köstliche Kommentare zu Deinem Wirken finden. Gerne hätte ich natürlich eine Übersicht über Deine Jahrzehnte an diesem Traditionsgymnasium daraus zusammengestellt, sozusagen mit d e r historischen Quellenanalyse, die Du allzeit so geschätzt hast, aber dazu fehlte sowohl die Zeit als ein vollständiges Archiv. Gemeinsame Reisen haben wir nach Angers und Twer unternommen, und nicht zuletzt nach ROM, der Stadt, in die Du immer wieder Studienreisen angeboten hast. Wir waren 1988 dort, zu Deinem Leidwesen nicht mit der Bahn, sondern mit einem Bus, vollgepfropft mit 50 Schülern und Schülerinnen. Herr Dr. Hirschfelder, mit von der Partie, nutzte jede Halteminute in südlichen Gefilden zur Käfersuche, während Du mir vorschwärmtest vom schwarzen Eis, das es an der Piazza Navona zu kaufen gäbe. Wir haben es dort dann auch gemeinsam gekostet, zumal wir bei den Padres Teatini um die Ecke unser Quartier hatten, und wir haben dort beim abendlichen Bummel, umringt von unseren Schülern und dem Genuss eines Glas Rotweins – oder waren es mehrere – hingegeben, das Du ausgetauscht. Ich habe diesen Schritt nie bereut. Das wollte ich Dir heute sagen.

In den erwähnten Abizeitungen findet sich zu einer dieser Romreisen folgender Kommentar:: „Ob ihr es glauben wollt oder nicht, aber unser Dottore ist alles andere als langweilig und zum Lästern stets zu haben!“ Wenn ich an die Schilderungen meines jüngsten Sohnes Wolfram denke, der bei Dir im Leistungskurs Lateinunterricht genoss, dann kann ich mir das lebhaft vorstellen. Außerdem habe ich erst durch ihn von Deiner Fußballbegeisterung erfahren. Da fand doch 1988 ein Länderspiel unter Beteiligung der deutschen Nationalmannschaft statt. Da bist Du mit Deinen Kursleuten hingefahren. Am Schluss ging ein Teil der Truppe im Gedränge verloren und wurde von der Polizei gleich zur Stazione Termini verfrachtet – aus Sorge vor Krawallen der deutschen Fans. Ob Du mit dabei warst, erinnere ich nicht mehr, aber irgendwie durfte die Truppe dann doch wieder in ihr Quartier zurück.

Was Dein Verhältnis zum schönen Geschlecht angeht, so steht außer Frage, dass Du Dich immer als höflicher Kavalier, aber auch erzieherisch mahnend verhalten hast, so dass die nachlesbare Bemerkung : „Das gehört sich aber nicht für eine junge Dame!“ höchst glaubwürdig ist. Andererseits warst Du in dieser Frage sehr darauf bedacht, dass Dein Ruf nicht schaden litt. Wie sonst ist die folgende Bemerkung aus Deinem Munde zu interpretieren, am Ende einer Klausur vorgetragen, ehe die vorletzte Schülerin den Raum verlassen will: „Bleib bitte hier. Ich will nicht alleine mit einer Schülerin sein.“ Und dann findet sich ein Gedicht in der Zeitung von 1988 zu Dr. Pabst, das mich wegen einer Zeile doch sehr irritiert hat. Es lautet: „Keine Panik, cool geblieben . Der Termin lässt sich verschieben. Darf ich sie wohl einmal stören? Oh, mein Gott, was muss ich hören? Osnabrück, die alte Stadt, dreimal ja, die hab ich satt! Das allerbeste wird getan. Bei uns läuft alles stets nach Plan.“

Nun, dass Du die alte Stadt Osnabrück satt haben solltest, das mag ich wahrhaftig nicht glauben, und so ordne ich diese Zeile der Übertreibungslust Deiner Schüler zu. Denn diesen Aspekt möchte ich sozusagen kraft Amtes als Vertreterin der Stadt Osnabrück hervorheben: Du hast Dich um die Geschichte dieser Stadt verdient gemacht. Das gilt besonders für das Friedensjahr 1998 und Deine Übersetzung der Visitationsprotokolle des Lucenius. Eine ganze Reihe davon sind damals ja in der NOZ erschienen. Ich denke immer noch mit Vergnügen an die Unterscheidung zwischen lutherischen und katholischen Geistlichen und der großen Zahl derer, die als „mixti“ eingestuft wurden, die also weder das eine noch das andere waren, im Konkubinat lebten und die Sakramente so austeilten wie es ihnen angemessen erschien. Danke, dass Du uns diesen Zugang zu einem auch erheiternden Teil der Osnabrücker Stadtgeschichte geöffnet hast. Zu den von Dir übersetzten Quellen gehört ja auch nicht zuletzt das Breve Papst Innozenz III. vom August 1650, das aber auf den 20. November 1648 zurückdatiert wurde. Du hattest mit Rücksicht auf gewisse Empfindlichkeiten Bedenken, dies zu veröffentlichen. Glücklicherweise hast Du diese beiseite geschoben, so dass selbst Herr Henrichvark in der NOZ schreiben konnte: „Diese grundlegenden Texte zu der gegenwärtigen Friedens-Feier-Seligkeit in zuverlässigen Übersetzungen bereitgestellt zu haben, macht den Wert dieser Edition ( mit dem Titel „Konfessioneller Wechsel in der Landesherrschaft ) aus“

Damit möchte ich schließen. Lieber Wilfried, nochmals Dank für alles und viel viel Elan im Ruhestand, nicht zuletzt beim weiteren Edieren historischer Quellen zur Stadtgeschichte.

Karin Jabs-Kiesler

Rede von Helmut Brammer-Willenbrock

Lieber Wilfried,

HABEMUS PABAM“ (mit einem b wie beta) hieß es 1984, als Du zu uns ans EMA stießest. Zwar hatte kein Konklave getagt, auch weißer Rauch war nirgends aufgestiegen, aber es ging ja auch um den Pabst mit B. Schülern fällt es gelegentlich schwer, Deinen Namen richtig zu schreiben, nein, zu orthographieren. Kaum haben sie gelernt, dass sich der Papst mit einem P vor dem st schreibt, müssen sie umlernen, dass „unserer“– mit Verlaub – sich mit „B“ schreibt, hinten jedenfalls.

Ach ja, personalvertretungsrechtlich gesehen (das „s“ gehört doch wohl da hin? Lassen wir das jetzt.) war der Vorgang Pabst der erste, an dem ich damals vor fast 21 Jahren als Neuling im Personalrat teilhatte, und, welche eine Ironie des Schicksals – es wird aller Voraussicht nach auch der letzte sein.

Es ist hinlänglich bekannt, dass Du mit Begeisterung nach Rom fährst. Anderthalb Jahrzehnte waren wir fast im Wechsel gefahren, das eine Jahr ich, die anderen Jahre Du. Und so fügte es sich denn 2003 – eine andere Fahrt war abgesagt worden – dass wir uns beide als Begleiter einer Studienfahrtengruppe nach Rom fanden. Hier habe ich wiederum ganz andere Seiten des Wilfried Pabst kennengelernt: den Bonvivant und den Asketen in einer Person, brachte er es doch an einem Abend fertig, mit einem Eis in der Hand auf der Piazza Navona einem Gitarristen, der auf der klassischen Gitarre Bach spielte, zu lauschen, das Eis aus Tre Scalini in vollen Zügen genießend – und kurze Zeit später im Restaurant bei einer Minestrone mit Weißbrot einem Esser zuzusehen, der das volle Programm einer italienischen Trattoria fährt, wie man heute so sagt. Meine Bewunderung ist bei Dir. Denn das hätte ich nicht ertragen können.

Aber noch eines muss ich hier erzählen – ich hoffe, ich darf mal aus dem Nähkästchen plaudern:

Birgit Willenbrock hat mir folgendes erzählt: Ihre erste Studienfahrt führte sie 1991 nach Rom, zufällig mit Dr. Pabst (so wie seine letzte auch nach Rom ging, wohin auch sonst, zufällig mit mir) als LK-Lehrer Latein (L.K. war der Kurs – damals konnten wir uns noch ganz geringe Kursfrequenzen leisten. Tempora mutantur.). Da trug es sich zu, dass einem der Schüler das Portemonnaie gestohlen wurde. W.P. aber stellte den Dieb in einer Gruppe unsicher grinsender Kinder und, man glaubt es nicht, es gelang ihm durch die ihm eigene – uns allen nur zu gut bekannte – Art guten Zuredens (auf Italienisch, versteht sich) der Geldbörse wieder habhaft zu werden.

Zur Pflege des Italienischen und zur Pflege der Erinnerung an Rom, lieber Wilfried, darf ich Dir namens des Kollegiums diesen Band „Poetisches Rom“ überreichen mit Prosa und Gedichten (ob Sonette dabei sind, weiß ich nicht) in deutscher und italienischer Sprache.

Erlaube mir nun, da ich ja in beiderlei Gestalt zu Dir spreche, für die Fachgruppe Latein zu sprechen.

Leider muss Andrea Harig, die Fachobfrau Latein, Abiturvorschläge überbringen – zwar gibt es Email und gesicherte Verbindungen, Verschlüsselungstechniken, die etwas komplizierter sind als die Caesars (Du weißt, er hat die Buchstaben des Alphabets um einen nach vorn oder hinten schieben lassen), aber der reitende Bote scheint auch im Zeitalter des Internet und der Email noch gefragt. Moderne und archaische Kommunikationsformen sind durchaus benachbart.

„Wie der Steuermann in den Cyberspace gelangte“ – dieses Buch wollen wir Dir schenken. „Cyberspace“, magst Du fragen. Nun, es ist der Bereich des virtuellen Raumes, der virtuellen, im Computer simulierten Welt. Das Wort setzt sich zusammen aus dem englischen “space“ und dem griechischen Κυβερνήτης; also etwa der Steuermann im Raum.

Wir haben nämlich erfahren, dass Du die nun anbrechende Zeit des Pensionärsdaseins würzen wirst am Computer. So wisse nun: namentlich die Althistoriker sowie die Latinisten und auch die Graecisten sind dort außerordentlich rührig. Man hat Dr. Pabst bereits wiederholt im Lehrerzimmer an einem der Rechner dort gesehen. Und so mag das Bild, das jüngst im ema-report erschienen war, das Dich am PC zeigte mit einem Schutzgeist in Deiner Nähe, ein vaticinium ex eventu sein …

Lieber Wilfried, uns allen bist Du bekannt als einer, der das gesprochene und das geschriebene Wort auf die Goldwaage legt. Mir fällt kaum etwas ein, dass Dir mehr zuwider wäre als der nachlässige Gebrauch der Sprache, die Ungenauigkeit im Ausdruck, das beliebige Hin- und Herwerfen mit Worten und Begriffen, heute so und morgen so, oder wie oder was. Du bist ein gefragter Mann in Zweifelsfällen der Sprache, des Ausdrucks, und auch wenn es um die Korrektur des Geschriebenen geht. Kein Komma und kein Iota entgeht Dir. Und gern denke ich an so manche Freistunde, in der wir über die Herleitung von Worten oder Begriffen sinnierten. Dieses Buch nun geht genau diesen Dingen nach, klärt, wie Atom und Individuum zusammenhängen, aber das weißt Du ja, auch die Mausefalle und das skandalon … wenn man angefangen hat, darin zu blättern, mag man es nicht mehr aus der Hand legen. – wie der Steuermann in den Cyberspace landete.

Mir bleibt nun – wieder als Personalrat – Dich in die Ehemaligenkartei aufzunehmen, mit Wehmut, Du wirst nun als Emeritus an den Grünkohlessen und an anderen Veranstaltungen des EMA teilnehmen.

Aber immer noch gilt: „HABEMUS PABAM“ – auch als Emeritus.

CURA NIHIL NISI UT VALEAS.

Helmut Brammer-Willenbrock

Worte zum Abschied

Worte zum Abschied (Dr. W. Pabst)
Liebe Kolleginnen und Kollegen,
werte Freunde und Gäste, liebe ehemalige Schüler,
Worte zum Abschied –

Ich danke für die musikalischen Darbietungen.
Ich danke für die Ansprachen
Sie haben mich erfreut, sie bedeuten mir viel!
Mein besonderer Dank gilt Dir, lieber Wolfgang, für Deine „laudatio“ – eine solche sollte es doch wohl sein oder ist es zumindest geworden. Wir haben über 16 Jahre zusammen gearbeitet – in einer schwierigen Phase unserer Schule – und sind, obwohl grund¬verschieden, unmerklich wie von selbst Freunde geworden – denke ich.

Wo Licht ist, ist auch Schatten – und ich käme mir unwahrhaftig vor, wenn ich mich dieser Naturnotwendigkeit, wie ich einmal sagen möchte, entziehen wollte und nicht auch für mich gelten ließe. Natürlich ist mir nicht verborgen geblieben, dass es Schülerinnen und Schüler gab, die mit meinen politisch-pädago¬gischen Vorstellungen nicht übereinstimmten, die mit meinem Naturell und Temperament nicht so recht etwas anzufangen wussten. Ich erwähne dies nicht, weil es von allergrößter Wichtigkeit wäre, sondern weil ich mir im Rückblick und gerade auch in dieser Stunde bewusst bin, manche nicht dahin gebracht zu haben, wohin sie hätten kommen können, manchen also auch etwas schuldig ge¬blieben zu sein. „Ein jeder trägt bekanntlich den leid’gen Stein zum Anstoß in sich selbst.“ Und von Scharlatanerie war auch ich nicht immer frei und mit der Rolle eines Selbstdarstellers habe ich zwischendurch auch geflirtet.
Gleichwohl gehörte ich zu denen, die mit den eigenen Kräften haushalten mussten; ein Gefühl der leichten Unzufriedenheit mit mir selbst hat mich eigentlich ständig begleitet und so richtig glücklich war ich mit meiner eigenen Leistung eher selten. Unter¬richt, unser Kerngeschäft, ist und bleibt eben eine Gratwanderung, ein diffiziles Unterfangen mit einer unübersehbaren Breiten-, Tiefen- und Langzeitwirkung; Sternstunden jedenfalls blieben eine Rarität.
Ob ich mitunter nachsichtig gewesen bin? zu nachsichtig? Ich kann und will das nicht ausschließen. Doch:
Wenn es denn so gewesen wäre, dann wohl deshalb, weil es manch¬mal weh tut, unsere Schule so zu sehen, wie sie ist! –
Dem pädagogischen Grundsatz: „Multum, non multa!“ fühle ich mich freilich weiterhin verpflichtet und das pädagogische Lob halte ich für das beste Mittel, über das wir verfügen. –

Was wird mit dem Beginn des neuen Schulhalbjahres nicht mehr so sein, wie es vorher war?
Meine Charleston-Ente wird niemandem mehr einen Platz auf dem Parkplatz nehmen. Der helle Morgengruß unserer „Frischlinge“, wie ich einmal die Schülerinnen und Schüler der Klassen 5 nennen möchte, ein Gruß wie aus einem Munde, wird mich nicht mehr erfreu¬en; ihre kleinen, aber allerwichtigsten Fragen werde ich vermis¬sen, ihre große Freude über den Erhalt neuer Lernmittel ich nicht mehr erleben. Die oft gestellte Frage an unsere Sekre¬tärinnen: „Was gibt es Neues in dieser Welt“ wird ausbleiben. Die schlagfertigen, humorvollen Antworten aus der unteren Sitz-ecke des Lehrerzimmers, die zum Schmunzeln anregten, können nicht mehr gegeben werden, weil die Fragen dafür fehlen.
Dies sind nur einige wenige vertraute, lieb gewordene Gewohnheiten, die sich über mehr als 20 Jahre herausgebildet haben.
Was wird mir besonders fehlen? Die frische, frohe Morgenstimmung im Forum mit der Bibliothek im Hintergrund.
Sehen Sie es mir bitte nach: An einer deutschen Schule im Ausland habe ich erlebt, wieviel es für Schülerinnen und Schüler, für
die größeren so wie für die kleineren, bedeutet, wenn der Lehrer morgens bereits da ist, sie empfängt und begrüßt.
„Partir c’est un peu mourir.“ – Wer wollte die Lebensweisheit, die in diesem französischen Sprichwort liegt, in Frage stellen? „Fortgehen, das ist ein wenig sterben.“ – Und doch: Die würdige Feier, zu der Sie hier in der Bibliothek, der „besten Stube des Hauses“, geladen haben, macht mir den Abschied leicht und gereicht unserer Schule zur Zierde! Und weit über den Tag hinaus begleiten mich Erinnerungen – viele, schöne, bunte, glückliche …

Gratias vobis ago gratiamque habebo.

Merci. Danke.

Wilfried Pabst