1. papenhausen-otto

Papenhausen, Otto

*1912    † 2001
Fächer: Mathematik, Geschichte; 1977 in den Ruhestand getreten

Vorsitzender des EMA-Fördervereins 1989 bis 1995

Otto Papenhausen ist im November 2001 verstorben.

Nachrufe

„Sieht so der liebe Gott aus?“ – Ein sehr persönlicher Nachruf

„O.Pa.“, so unterschrieb er. Er dachte an Geburtstage von Lehrkräften des EMA und der Sekretärinnen, fehlte auf kaum einem Klassentreffen der Abi-Jahrgänge, die er bis zu seiner Pensionierung 1977 begleitet hatte und deren Adressenlisten er akribisch verwaltete und auf aktuellstem Stand hielt, nahm unbedingt an jedem Grünkohl-Essen des Kollegiums teil, wo er sch auf das angeregteste mit Pensionären, aktiven Kollegen und Referendaren unterhielt, immer neugierig, wie Schule denn sich entwickelt habe, was man denn fachlich und methodisch so mache. Er erschien manchmal unverhofft morgens in der Schule, bewaffnet mit seiner Aktentasche und seiner unvermeidlichen Baskenmütze auf dem Kopf, um aus dem Sekretariat Fördervereins-Post abzuholen. Er hatte für jeden ein freundliches, liebevolles Wort. Und er war Preuße, durch und durch uneigennützig, pflichtbewusst, genau, wenn es um das Geld anderer Leute ging (Förderverein), warmherzig und großzügig aber zu allen Menschen.

In seiner Zeit als Vorsitzender des Fördervereins – 1989 übernahm er im Alter von 77 Jahren das Amt von Hermann Mohr – habe ich gern und häufig mit Otto Papenhausen zusammengearbeitet. Man muss sich das einmal vorstellen: Ein alter Mann sitzt einem Verein vor, der die Schule begleitet und der eine durchaus aufwendige Buchführung hat, er führt unermüdlich die Vereinskorrespondenz, handschriftlich oder mit seiner Schreibmaschine, begleitet die Anschaffung eines Ruderbootes über mehrere Jahre (das Boot heißt nach ihm Otto P.), verhandelt mit dem Finanzamt anlässlich der regelmäßigen Buchprüfung, zieht Beiträge ein – von Hand! Ungefähr 400 Bankbelege müssen jedes Jahr ausgefüllt werden, auf dem Wohnzimmertisch, zusammen mit seiner Ehefrau und Frau Schütte – die Zeiten, dass ein Computerprogramm das in Minutenschnelle erledigt, waren noch nicht angebrochen.

Wenn der Abi-Ball, zu dem der Förderverein damals einlud, vorüber war, kam er zu mir, um die Schlussabrechnung fertigzustellen. Dabei hat er mir erzählt von seiner Zeit als Luftwaffensoldat – zufällig in derselben Gegend vor Leningrad, in der damals auch mein Vater war. Seinen eigenen Vater hat er kaum gekannt, der war an seinem 5. Geburtstag schon tot, im Ersten Weltkrieg gefallen, 1917 bei Mitau im heutigen Lettland – nur wenige Kilometer entfernt von dem Ort, an dem mein Vater 1944 schwer verwundet wurde. Dass sich die Wege unserer beider Väter und seine eigenen und meine auf vielerlei Weise kreuzten, empfand er geradezu als eine Fügung. Und ich habe ihn immer als väterlichen Freund empfunden. Die Gespräche mit ihm, sein feiner Humor, seine Weisheit und seine Menschenkenntnis – das alles fehlt mir doch sehr.

Als er einmal nachmittags in Fördervereins-Dingen zu mir kam und ich ihm die Tür öffnete, hörte ich Kinder, die ihn anschauten, im Weitergehen sagen: „Sag mal, sieht so der liebe Gott aus?“ – O.Pa. weiß es jetzt genau.
Im November 2001 hat Otto Papenhausen im gesegneten Alter von 89 Jahren uns für immer verlassen.

Helmut Brammer-Willenbrock

Quelle: EMA-report 2001

Ein Ehemaliger schreibt:
“Otto Papenhausen hatten wir in der Oberstufe in Mathe und Geschichte. Selbst die Nazizeit und die aufkommenden Spannungen der 60iger Jahre hat er in großer Offenheit mit uns diskutiert. Bei ihm haben wir enorm viel gelernt.
Wie kaum ein anderer Lehrer hatte er eine ausgeprägte natürliche Persönlichkeit; er erreichte seine Ziele, ohne laut werden zu müssen.
Wir alle haben ihn sehr geschätzt.”

NOZ – Samstag, 22.12.2001:
Vorbild für Toleranz und Menschlichkeit – Basketball-Pionier Otto Papenhausen †
Otto Papenhausen lebt nicht mehr. Im gesegneten Alter von 89 Jahren verstarb ein Mensch, der weit über seine Zeit und seine eigentliche Tätigkeit hinaus als geschätzter Pädagoge für Generationen von jungen Leuten ein Vorbild war. Eher mit trefflichen als mit großen Worten, eher mit einer beneidenswert verbindlichen und dabei zurückhaltenden Art vermittelte er der Jugend das, was er beispielhaft lebte: Toleranz, Vorbild, Wertschätzung.
Eher klein und zierlich von Statur, fand er Gehör, noch mehr (Be-) Achtung als Mann des Ausgleichs. Er überzeugte, motivierte und regte zum Nachdenken an, ohne laut zu werden. Sein Blick ersetzte manchmal Worte, weil gleichermaßen Verständnis wie Überzeugungskraft aus seinen Augen strahlte. In seiner beneidenswert ruhigen Art vermittelte er wohltuend Nähe und Wärme.

So schätzten ihn Schüler der früheren Oberschule für jungen (OfJ) und des heutigen Ernst-Moritz-Arndt-Gymnasiums über seine Pensionierung hinaus, als er sich für den Förderverein engagierte, ebenso wie die Basketballer über Generationen. Papenhausen gilt als “Vater” dieses Sports hierzulande. 1953 zündete er das Feuer für “ein Spiel mit einem dicken, runden Ball” im Sportunterricht, durch erste Begegnungen mit dem litauischen Gymnasium in Diepholz sowie durch Turniere in Osnabrück und – der Bogen zur Gegenwart lässt sich spannen – in Quakenbrück mit dem dortigen Realgymnasium. Unter bescheidenen Voraussetzungen, indem Schüler das Benzingeld für einen aus Diepholz kommenden Trainer aufbrachten, aber mit großem Herzen und alsbald viel Sachverstand. Über Jahrzehnte verfolgte er bis zuletzt mit distanzierter Betrachtungsweise den Wandel “seines” Sports von nationalen Triumphen bis zu finanziellen Kollapsen und fühlte dabei stets mit den Idealisten. Mit ihm ging dem Sport ein beträchtliches Stück Menschlichkeit verloren. (bec)

sportunterricht, Schorndorf, 51 (2002), Heft 3 – Landesverband Niedersachsen:

In memoriam Otto Papenhausen
Im Dezember 2001 verstarb in Osnabrück im Alter von fast 90 Jahren unser Kollege OStR i.R. Otto Papenhausen, vielen älteren Mitgliedern des Sportlehrerverbandes sicher noch ein Begriff. Er war einer von denen, die das vergangene Jahrhundert nicht nur positiv erlebten, sondern durch den 2. Weltkrieg und dessen Folgen auch bittere Erfahrungen machen mussten. Für das Ernst-Moritz-Arndt-Gymnasium, in dem er bis zu seiner Pensionierung 1977 wirkte, hat sich Otto Papenhausen stets in hohem Maße eingesetzt. Er machte Basketball in Osnabrück populär, betreute als Protektor die Ruderriege und engagierte sich nach seiner Pensionierung noch viele Jahre als Vorsitzender des Fördervereins des Ernst-Moritz-Arndt-Gymnasiums

Immer war Otto Papenhausen ein Vorbild durch seine hohe Selbstdisziplin, sein Pflichtbewusstsein und seine menschliche Ausstrahlung. Die Schülerschaft und das Kollegium des Ernst-Moritz-Arndt-Gymnasiums danken ihm.

G. Oberschelp

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