Smend, Rudolf

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Nachruf
Bildmitte: R. Smend – Foto: EMA

Gedanken an die Flüchtigkeit des irdischen Daseins kommen dem Eingeweihten bei der Betrachtung des vor über 30 Jahren in unserem Gymnasium aufgenommenen Klassenbildes. Der Lehrer, Herr Studienrat Smend, der am 29. November 1927 inmitten seiner Primaner noch jugendlich und frisch seinen 50. Geburtstag feierte, ist im November 1958 im 82. Lebensjahre verstorben.
Er gehörte der Epoche jener Pädagogen an, die die heutige mittlere Generation in den Sattel des Lebens gehoben haben und deren Wirken längst von anderen Ideen überschattet ist. Das Vorbild, durch das dieser Pädagoge wirkte, bestach durch reine Menschlichkeit. Sie war Leitstern seines Erziehungsauftrages und Grundlage, auf der sein gesamter Unterricht basierte, eher unbewußt als bewußt, denn sie floß aus seinem Wesen und verdichtete sich in seinem Tun und Denken zu jener Aristokratie des Geistes, die zu seiner Zeit so selbstverständlich war, die sich aber heute arger Bedrängnis erwehren muß.
Nur 10 Jahre leidlicher Friedenszeit waren seinem Wirken beschieden. Dann wechselte in rascher Folge der geschichtliche Hintergrund; der erste Weltkrieg, Versailles, Inflation, Arbeitslosigkeit und die nationalsozialistische Revolution 1933. Es waren politisch unruhige Zeiten, in deren brandenden Wogen er sein pädagogisches Schifflein zu steuern hatte. Aber sie trafen auf einen Menschen, der seinen Anschauungen und seinem Handeln mit dem Prinzip der Beharrlichkeit treu blieb. Mit diesem konservativen Zug rundet sich sein Bild ab als das eines Menschen, der im Weltgeschehen zeitlos wirkt und ewig gültige Werte in sich birgt.
Herr Studienrat Rudolf Smend wurde 1877 geboren. Nach zehnjährigem Wirken an den höheren Schulen in Ton-dern, Eckernförde und Hamm kam er 1917 nach Osnabrück, wo er bis zu seiner Pensionierung im Jahre 1935 tätig war. Ein Verkehrsunfall warf ihn vor vier Jahren auf das Krankenlager, das für ihn Siechtum bedeutete. In Stift Leeden, im Kreise Tecklenburg, wo seit Generationen die Familie Smend die Prediger gestellt hat, wurde er in aller Stille zur letzten Ruhe geleitet.

Dr. Kiel

Quelle: „neue realität„, Heft 3/4 (März 1959)