Vennemann, Hendrik, Dr.

Fächer: Chemie / Biologie

Hendrik Vennemann ist am 23. Oktober 2007 im Alter von 35 Jahren verstorben.

Am 7. November fand im Beisein seiner Eltern eine Feier zu seinem Gedenken statt.

Traueransprache

Hendriks optimistische Einstellung zum Leben wird mir fehlen.
Sie zeichnete ihn aus.
Er konnte sich an den kleinen Episoden des Lebens erfreuen und lebte im Moment. Klappte es bei den zahlreichen gleichzeitig zu erledigenden Aufgaben mal nicht ganz so, hatte Hendrik in seinem Humor immer ein Ventil und bemerkte spöttisch „Arbeit kann einem den ganzen Tag versauen.“ Von eigene Niederlagen distanzierte er sich oft halbironisch. Er nahm sie nicht zu wichtig genommen, oder wie er es öfter treffend formuliert hat: „Verbitterung geht gar nicht“. Davon könnte ich mir manches mal eine Scheibe abschneiden.

Die notwendige Kraft für diese bemerkenswert optimistische Lebenseinstellung fand Hendrik in seinem Umfeld, vor allem bei seiner Familie, die ich sehr herzlich zu unserer Trauerfeier begrüßen darf.
Hendrik hatte die seltene Fähigkeit, eine gesunde Balance zwischen Pflichterfüllung und Entspannung zu finden.
Das richtige Gleichgewicht machte für ihn die entscheidende Lebensqualität aus. Abends mit Freunden auszugehen und Spaß zu haben, war für ihn genauso wichtig, wie die am kommenden Morgen zu haltende Chemiestunde.
Ohne jede Frage war Hendrik seine Arbeit – ob an der Universität, im Pfadfinderverband oder in der Schule – immer sehr wichtig. Er verfolgte Ziele hartnäckig und seine Arbeit hatte immer hohes Niveau.
Er war ein Pragmatiker, der fachlich fest stand, vielleicht sogar ein Minimalist – und betonte gerne lässig – besonders vor Prüfungssituationen: „Man muss wissen, wann es zählt“.

So beendete er neben dem Referendariat seine Promotion an der Universität Oldenburg mit sehr gutem Ergebnis.

Hendrik schätzte sein Privatleben und pflegte intensiv seine Freundschaften. Pfadfinder, Chemiker, alte Freunde… Ich bin abends gern mit ihm durch die Kneipen gezogen, wenn auch seine Vorliebe für Bacardi-Cola eindeutig ein teureres Vergnügen war.
Wie gesagt – er wusste Prioritäten zu setzten: sein Seminarrekord von sechs Skiurlauben während des Referendariates wird wohl noch einige Zeit währen.
Für mich war er einer der wenigen Menschen, die gleichermaßen an Zielen festhalten als auch loslassen konnten.

In der Arbeit war Hendrik ein kritischer Geist, der sich das Recht herausnahm zu kommentieren, Grundsatzfragen zu diskutieren und Inhalte zu hinterfragen.
In der Sache kompetent – und wenn sie es erforderte – auch unnachgiebig, aber im Umgang mit Mitmenschen stets verbindlich.
All dies hat zu seiner sozialen Kompetenz beitragen, die ihm überall Sympathien und hohes Ansehen einbrachte.

Der Lehrer Hendrik war ein Teamarbeiter: Es zog ihn nicht in die erste Reihe und als Podeststürmer konnte man nur schwerlich bei ihm gewinnen. Ein Mann der leiseren Töne, zurückhaltend und bescheiden, ausgeglichen und ein Ruhepol für seine Umwelt.
Sein Inneres musste er nicht immer nach außen kehren.

Nach dem Referendariat ist Hendrik bewusst am EMA geblieben, da er die Schülerschaft und das Kollegium besonders schätzte. Wenn man seine Beerdigung erlebt hat, dann weiß man, dass diese Sympathie auf Gegenseitigkeit beruhte.

Als Lehrer war er wegen seiner ruhigen Art und Empathie Vertrauter und teilweise auch Vorbild für seine Schüler. Die Anzahl der Kollegen, mit der Hendrik in der kurzen Zeit von zweieinhalb Jahren zusammengearbeitet hat, war groß. Trotz seiner gesundheitlichen Probleme war er immer am Schulgeschehen und zukünftigen Projekten interessiert. Hendrik schaut auch über den Tellerrand der Schule hinaus: Nach seinem Referendariat arbeitete er in einer Berliner Unternehmensberatung mit. Von dort brachte er zahlreiche Ideen im Qualitätsmanagement für unserer Schule mit. Ein Angebot der Bertelsmann Stiftung zum gleichen Thema reizte ihn damals sehr. Seine wissenschaftlichen Leistungen sind größtenteils im Handbuch zur Chemiedidaktik Teilband Elektrochemie gerade erst veröffentlicht worden. Seine Mitarbeit an Hauscurriculum Chemie, dem Wiederaufbau der Chemiesammlung, der Betreuung der Chemie-AG und vieles mehr kann hier nur kurz erwähnt werden. Ein geplantes Engagement in der Chemielehrerausbildung der Universität Osnabrück wird nun wie so vieles nicht möglich sein. Diese Lücken werden bleiben. Ihnen entgegen steht allerdings ein beachtliches Werk von Dr. Hendrik Vennemann.

Hendrik ist tot.
Ich kann es immer noch nicht glauben. Es ist, trotz seiner langjährigen, ihn zeichnenden Krankheit ….unerwartet , unfassbar.
Ein nicht verschwinden wollendes Fieber zeigte die Verschlechterung seines Gesundheitszustandes an.
Es sah so aus, als würde er den Kampf gegen die Krankheit gewinnen, aber sein angegriffener Körper hat den eigenen Genesungsprozess nicht ertragen.

In der Intensivstation war mein letzter bleibender Eindruck – sogar im Koma – Hendriks unerschütterlicher Lebenswille.

In Erinnerung bleibt ein großer Kollege, der uns als Mensch fehlt.

Markus Woeller