Brammer-Willenbrock, Helmut

Fächer: Geschichte, Politik, Latein

Lebenslauf: 1950 geboren, aufgewachsen auf einem Hof in dem kleinen Dorf Raven in der Lüneburger Heide (http://www.brammer-online.de),
Muttersprachen: Deutsch und Plattdeutsch

Abitur 1969 am Johanneum in Lüneburg (altsprachlicher Zweig),
am EMA 1979 bis 2015;
1984-2005 und von 2008 bis 2012 Mitglied des Lehrerpersonalrats
von 2007 bis 2013 Mitglied im Schulvorstand,
Mitglied im Vorstand des Fördervereins und Schatzmeister
2004-2015 Netzwerkadministrator;
„webmaster“ des Internetauftritts des EMA 2004-2019

Rom-Fan (begründete 1987 die Tradition der Studienfahrten nach Rom mit dem Abitur-Jahrgang 1988)

Versetzung in den Ruhestand zum 1. August 2015

Am 22. Juli 2015 wurde Helmut Brammer-Willenbrock zusammen mit Hermann Volmer verabschiedet.
Die Laudatio – auf beide – hielt Schulleiter OStD Hartmut Bruns:

Wenn man wenig Zeit hat, um sich auf eine Rede vorzubereiten, dann greift man am besten zu einem Ratgeber für gute Reden. Mein Ratgeber heißt „Reden für jeden Anlass“. Dort fand ich folgenden Tipp:
„Bei der Verabschiedung eines Mitarbeiters darf man es mit der Wahrheit nicht so genau nehmen, vor allem könne man ruhig ein wenig übertreiben. Der Kollege sei sowieso anschließend nicht mehr im Haus und dann könne man immer noch kundtun, was man von ihm halte.“

Lieber Herr Brammer, lieber Herr Volmer,
ich werde diesen Rat nicht befolgen, sondern der Wahrheit ins Auge schauen. Ich werde auch nicht übertreiben, indem ich z.B. sage, Sie seien die besten Lehrer Deutschlands gewesen, denn Sie Herr Brammer, waren vor zwei Jahren ja nur der beste Lehrer der Region, und gemeinsam mit Ihnen, Herr Volmer und Herr Brammer, gehörten wir in diesem Jahr ja auch nur zu den besten 15 Schulen Deutschlands und waren nicht etwa die beste Schule unseres Landes.

In einer Rede – so habe ich weiter gelesen – solle man an geeigneter Stelle ein treffendes Zitat einfügen. Diesen Rat habe ich befolgt und habe mich für folgenden Ausspruch des griechischen Philosophen Aristoteles entschieden, auch wenn das, was die Griechen sagen, heute vielleicht nicht en vogue ist.
Aristoteles sagte einst:
„Die Freude an der Arbeit lässt das Werk treffend geraten.“
Dieser Ausspruch vermag die Lebenswerke der beiden zu verabschiedenden Kollegen treffend zu charakterisieren, liebe Kolleginnen und Kollegen, und könnte somit die Überschrift für meine Ansprache sein.

Dem schulischen Lebenswerk der Pädagogen Brammer und Volmer am EMA gerecht zu werden, ist in einer kurzen Rede, die sich beide Kollegen gewünscht haben, ein schier unmögliches Unterfangen.
Jeder der beiden hat das EMA und seine Schülerinnen und Schüler in ihrer langen Dienstzeit auf ganz persönliche Art und Weise geprägt, der eine in den Fächern Deutsch und Religion, der andere in den Fächern Geschichte, Politik-Wirtschaft und Latein, und die Schülerinnen und Schüler, die Sie geprägt haben, haben das stets zu schätzen gewusst, denn die Namen Brammer und Volmer fallen sehr häufig, wenn ich mit Ehemaligen über ihre Schulzeit am EMA spreche.

Unser Gymnasium gibt es in diesem Jahr seit 148 Jahren.

Wenn ich ihre Dienstzeiten am EMA addiere, Herr Brammer ist seit 1979 – also 36 Jahre – und Herr Volmer seit 1988 – also 27 Jahre – an unserem Gymnasium tätig, dann haben Sie das EMA mehr als ein halbes Jahrhundert geprägt, haben Höhen und Tiefen erlebt, können viele Anekdoten und Begebenheiten aus der Schulgeschichte erzählen.

Ich finde, Sie haben viele Gemeinsamkeiten. Sicher ist, Sie gehören noch zu den letzten Urgesteinen dieses Traditionsgymnasiums.
Sie sind sozusagen Dinos aus der Zeit, als die Telefone noch Schwänze hatte und Löcher in den Wählscheiben, in die man einen Finger stecken musste, um eine Nummer zu wählen.
Sie waren Kinder und Jugendliche in einer Zeit, in der Jeans noch Nietenhosen hießen und man einen Schlag auf den Allerwertesten erhielt, wenn man beim Spielen ein Loch in der Hose produziert hatte.
Heute zahlt man für eine abgeschabte Jeans 20 Euro mehr als für eine heile Hose und für eine Jeans mit Löchern zahlt man gar das Doppelte.
Sie sind in einer Zeit groß geworden, als man noch keine 100 bis 200 Freunde hatte, aber manche Freundschaften von damals halten noch immer. Ich denke da z. B. an Ihren Austauschpartner aus Großbritannien, lieber Herr Brammer.

Manchmal sagt man, die älteren Kollegen seien nicht so belastbar.
Ich kann mich kaum daran erinnern, dass Sie einmal gefehlt hätten, geschweige denn, dass Sie über die große Belastung, die der Lehrerberuf mit sich bringt, gestöhnt hätten.
Schule war für Sie beide mehr als Routine. Sie waren Pädagogen, die sich stets mit Empathie, Kompetenz und Zuwendungsfähigkeit um Ihre Schülerinnen und Schüler bemüht haben.
Natürlich haben Sie Schule nicht immer nur als Freude empfunden. Manchmal waren auch Sie gestresst und genervt und haben sich überunsinnige Erlasse, über Kollegen, den Vertretungsplan, den Schulleiter geärgert, aber immer wieder haben Sie aufs Neue den Ihnen anvertrauten jungen Menschen zugewandt, sie mit ihren Stärken und Schwächen angenommen und gefördert, denn Sie haben Ihren Beruf geliebt, Sie waren beide Lehrer aus Berufung.

Für Ihre Arbeit und Ihr Engagement für viele Schülergenerationen und für alles, was Sie für unser Gymnasium getan haben, spreche ich Ihnen heute im Namen des gesamten Kollegiums und als Ihr letzter Schulleiter ganz persönlich Dank und Anerkennung aus.

Als Herr Volmer, der im Jahre 1949 in Bad Rothenfelde geboren wurde und später das Carolinum besuchte und nach dem Studium in Münster und seinem Referendariat in Meppen im Jahre 1988 vom Hümmling-Gymnasium ans EMA wechselte, traf er u.a. auf die Kollegen Brammer und Otte.
Alle anderen jetzigen Kolleginnen und Kollegen seien erst später an die Schule gekommen.
Herr Volmer sagte mir, er habe immer gerne am EMA unterrichtet, vor allem wegen der kollegialen Atmosphäre. Stolz sein darf er besonders auf unsere, oder soll ich sagen, seine Bibliothek, in der er viele Stunden unbezahlt verbracht und der Schule ein tolles Bibliotheksteam hinterlässt.
Diese Leistung unseres Kollegen Volmer hat im Übrigen auch die Jury des Deutschen Schulpreises wahrgenommen.

Herr Brammer wurde im Jahre 1950 in Lüneburg geboren und wuchs auf einem Bauernhof in der Nähe von Lüneburg auf. Er besuchte später in Lüneburg das altsprachliche Johanneum, das ihn seiner Meinung nach sehr geprägt hat. Insbesondere denkt er gerne an den Unterricht in den Fächern Deutsch, Latein, Geschichte und Philosophie zurück. Nach seinem Studium in Göttingen und seiner Referendarzeit in Braunschweig war das EMA im Jahr 1979 seine erste Schule und um nichts in der Welt hätte er sich wegbeworben.

Warum? Wegen der Schülerinnen und Schüler und wegen der Kolleginnen und Kollegen und wegen des Freiraums, den er stets von Seiten der Schulleitung erhalten habe.
Denkt man beim Hören des Namens „Volmer“ gleich an die Bibliothek, so sind unser ISERV und unsere großartige Homepage und der Förderverein mit dem Namen „Brammer“ verbunden.

Bringt man den Namen „Volmer“ darüber hinaus stets mit Klassen- und Studienfahrten nach Berchtesgaden in Verbindung, so erinnern sich Ehemalige wie auch Herr Brammer gleichermaßen gerne an die Fahrten nach Rom.
„Ich habe stets eine Lust am Zeigen und Erzählen in mir gehabt und habe häufig von den Schülerinnen und Schülern ein positives Feedback bekommen, dass sie etwas bei mir gelernt haben,“ sagte Herr Brammer mir neulich in einem Gespräch.

Durch einen glücklichen Zufall hat Herr Brammer dann auch noch seine heutige Ehefrau am EMA kennengelernt.
Kann man sich etwas Schöneres von einer Schule wünschen?

Lieber Herr Brammer, lieber Herr Volmer,
Sie treten heute in den Ruhestand ein, eine Zeit dehnt sich für Sie, Sie haben jetzt alle Zeit der Welt, wie der Volksmund sagt. Mit gutem Gewissen einfach nur da sein, aus dem aktiven Schuldienst, einem Leben mit einem ungeheuren Termindruck ausscheiden.

Schließen möchte ich meine kurze Ansprache mit einer kleinen Geschichte, die einmal der chinesische Philosoph Dschuang Dse erzählt hat.
„ Als der Weise ostwärts zum Ozean reiste, begegnete er Yüan-Feng am östlichen Meer.
,Wohin des Weges?‘ rief er ihm zu.
,lch gehe zum Ozean‘, antwortete der Weise.
,Was willst du da tun?‘
,Tun?‘ sagte der Weise.
,Der Ozean ist ein Ding, das du durch Eingießen füllen und durch Ausschöpfen leeren kannst. Ich gehe zu ihm, um mich zu erfreuen.’“

Auch Ihnen, lieber Herr Volmer, lieber Herr Brammer, wünsche ich, dass Sie oft an den Ozean gehen können – was immer das auch für Sie sein mag, – einfach nur, um sich an ihm zu erfreuen.

 

Laudatio

Grazie Helmut

Seit Anfang dieses Schuljahres ist er nicht mehr bei uns, der Helmut. Irgendwie war das für mich lange unvorstellbar. Weil er immer da gewesen war. Seit Ewigkeiten. Für seine Schüler, seine Kollegen, sein EMA. Als liebenswürdiger, bescheidener Mensch, dem es stets um Hilfe für Andere, nie aber um nichtige Eitelkeiten ging. Als er „Lehrer des Jahres“ wurde, hat das wohl kaum jemanden überrascht. Denn wie oft war er für uns „Lehrer des Tages“, wenn er wieder einmal schnell, diskret und unbürokratisch weiterhalf! Bei Computerproblemen, bei fachlichen Fragen, auch bei größeren Sorgen. Guter Rat ist ja bekanntlich teuer; bei Helmut Brammer-Willenbrock gibt es ihn umsonst. Als Geschenk, mit seinem schrägen Humor gewürzt. ISERV – „ich diene“ – nomen est omen. Die Schüler haben ihn als einen offenen Pädagogen kennengelernt, der alle ernst genommen und weitergebracht hat. Noch Jahrzehnte später kannte er alle Schüler mit Namen und Abiturjahrgang! Sein geradezu enzyklopädisches Wissen hat ihn nie dazu verleitet, selbstzufrieden zu werden; immer hat ihn das Neue interessiert. Als Lehrer alter Schule und alter Sprache war Helmut daher selten mit seinem Latein am Ende und auch Geschichte(n) gab es jederzeit reichlich! Dass Rom seine Lieblingsstadt ist, ergibt sich somit fast von selbst – die ewige Stadt, schon etwas älter, aber umwerfend sympathisch!
Wir alle wünschen Dir, Helmut, viele Espressi unter südlicher Sonne – Du hast sie Dir wahrlich verdient!

Oliver Altmann

(aus: ema-report 2015, S. 142):